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Archive for the ‘Facebook’ Category

Shitstormwarnung Stärke 6

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Liebe Leser, ich entschuldige mich gleich vorab für den häufigen Gebrauch eines englischen Schimpfworts im folgenden Blogeintrag. 

Quelle: www.feinheit.ch

Shitstorm-Skala / Quelle: http://www.feinheit.ch

Shitstorms sind längst kein neues Phänomen mehr, doch dieser Sommer verlief im Internet besonders stürmisch. Die turbulente Wetterlage steht auf der Online-Medienagenda deshalb ganz oben: Fachmedien warnen vor schlechter Vorbereitung der betroffenen Unternehmen (z.B. ZDNet /golem.de / silicon.de), Blogger kritisieren ihren Umgang mit der Online-Community und genervte User fordern in ihren Kommentaren mehr Relevanz in der Online-Berichterstattung.

Der aufgehaltene Auslauf eines „rassistischen Adidas-Schuhs“

Im Juni sorgte ein rassistisch anmutender Adidas-Schuh mit Fußketten für Empörung im Web und verschwand deshalb wieder schnell vom Markt. Unnötige Aufruhr? Ein Schuh an sich ist ja nicht rassistisch. Wenn aber seine Aufmachung Erinnerungen an die Fußfesseln zur Zeit der Sklavarei weckt, dann steht er symbolisch für das menschliche Leid durch Rassismus, egal ob beabsichtigt oder nicht. Das Beispiel zeigt die hohe Empfindsamkeit der Online-Community im Bezug auf Ethik und ihre gnadenlose Abrechnung bei Missachtung ethischer Prinzipien in Wirtschaft, Politik und Medien. Letztendlich schützt ihre scharfe Beobachtung und schnelle Reaktion davor, dass große und kleine Fehltritte salonfähig werden.

Der böse Zwilling des sachlichen Diskurses

Er recherchiert, überlegt, wiegt ab, kritisiert konstruktiv und achtet darauf, keinen Teilnehmer persönlich zu verletzen. Alles im Dienste der guten Werte wie Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Toleranz. Erfolge lassen auf sich warten, denn der sachliche Diskurs hat es schwer, sich das Gehör der Masse zu verschaffen. Und dann kommt auch noch der Shitstorm und stiehlt ihm mit seiner polarisierenden Art die Show, macht Schlagzeilen und zwingt große Player in die Knie. Ist die derbe, herausgekotzte Kritik wirksamer? Wenn es um kleine Etappensiege geht, dann vermutlich schon, denn der Shitstorm bekommt in kurzer Zeit große Aufmerksamkeit und lockt deshalb auch den Kritisierten schneller aus der Reserve. Mit den großen Zielen hat er es allerdings schwer. Wer zum Start gleich so viel Gas gibt, dem geht auf langen Strecken dann doch die Luft aus.

Kurz und heftig vs. gemäßigt und langfristig

Der Schuh mit Fußketten war schnell wieder weg vom Markt und ebenso zeigte im Jahr 2009 die Kritik an einer geschmacklosen Photoshop-Manipulation von Microsoft Polen schnell Wirkung. Im realen Alltag lassen sich Intoleranz, Diskriminierung und Rassismus leider nicht so schnell verwerfen wie ein misslungenes Markenprodukt oder eine Kampagne. Den Platz des retuschierten Schwarzen würde statistisch gesehen ein Weißer besetzen. Hier muss die Kritik weitergehen und Chancengleichheit im Berufsleben gefordert werden. Die Thematik ist allerdings zu komplex, um über wütende Postings abgehandelt zu werden. Sie fordert einen langfristig angelegten, kritischen Diskurs, aber ein Shitstorm kann der entscheidende Auslöser für eine neu entfacht Diskussion sein.

Zum Blogeintrag über den „Galileo-Shitstorm“ postete eine Userin:

„Eigentlich sehr traurig, dass man immer mit “Kacke” werfen muss, um wahrgenommen zu werden.“

Da gebe ich ihr Recht. Allerdings muss man auch damit aufhören, wenn man ernstgenommen werden will.

À propos Galileo…

Wir haben festgestellt, dass im Shitstorm viel Kraft steckt – einerseits durch die darin enthaltenen Kraftausdrücke, andererseits durch die wütende Menge, die sich darin zu einer schlagfertigen Faust zusammenballt. Wird diese kollektive Macht missbraucht, kann beim Angriffsziel ein unverhältnismäßig hoher Schaden entstehen. Gleichzeitig kann der Shitstorm selbst geschwächt werden, wenn ihm dieselbe Netzcommunity, die ihm eine hohe Priorität eingeräumt hat, genervt den Rücken kehrt. Der Glaube an die gute Absicht geht verloren, wenn der gebilligte raue Ton zu einem menschenverachtenden übergeht oder wenn es Zweifel an der Echtheit des Shitstorms gibt. Dann muss sich der (vermeintliche) Shitstorm selbst der User- und Medienkritik stellen.

Hier noch ein paar Links zum Thema:

Written by ilosweb2null

29. August 2012 at 20:48

Das lebenswerteste Social Network der Welt

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Der erste Tag im neuen Jahr in der „lebenswertesten Stadt der Welt“: Die kriegsähnliche Geräuschkulisse der Silvesternacht ist verstummt und wenn die Ampeln am Gürtel Rot zeigen, hört man die eigenen Schritte besonders laut über den feuchten Gehsteig treten. Irgendwie erinnert mich das an meinen Google+ Account. Hier ist es schon länger ziemlich still, sogar zu Silvester, als es auf Facebook Neujahrswünsche geregnet hat. Und obwohl Artikel mit Titeln wie „Ten Reasons Why Google+ Will Beat Facebook“ insgeheim Google+ zum lebenswertesten Social Network der Welt gekürt haben, ist die große Völkerwanderung von Facebook zu Google+ bislang noch ausgeblieben.

Der unentschlüsselbare Social Code

Warum mich die Pro-Google-Plus-Artikel, die ich bisher gelesen habe, an die Mercer-Studie erinnern? Sie klammern sich in ihren Argumenten an rationale Maßstäbe wie die Funktionalität, technische Ausgereiftheit und die Vernetzung mit anderen Online-Diensten. Doch die Entscheidungsfindung für ein Social Network ist komplexer als z.B. für ein Anti-Viren-Programm, bei dem ich die Preise und Leistung vergleiche, Userbewertungen und Bewertungen in Fachzeitschriften durchlese und daraus eine Wahl treffen kann. Ein Social Network ist nicht nur ein Gefüge aus Codes, sondern gleichzeitig ein soziales Gefüge. Hier mischt sich Logik mit der Irrationalität der menschlichen Entscheidungsfindung und da kann es auch passieren, dass das besser ausgereifte Konzept den persönlichen und sozial begründeten Entscheidungen zum Opfer fällt. So widersprüchlich beispielsweise die Hassliebe ist, sie gehört zur Empfindung vieler Bewohner von Millionenmetropolen und gleichsam Facebook-Usern. Und auch wenn sie es manchmal selbst nicht verstehen, was sie dort hält – sie sind noch immer da.

Gerade deshalb würde es mich sehr intressieren, wie Psychologen und Soziologen die Entwicklung von Facebook und Google+ bewerten und ob sie sich ebenfalls trauen, Sieger-Prognosen zu machen wie so mancher Social-Media-Experte. Vielleicht kennt ihr ja schon passende Artikel dazu, dann freue ich mich auf eure Hinweise 😉

62 Millionen Nutzer: Bewohner oder Touristen?

Google+ hat laut einem kurz vor Jahresende veröffentlichten Bericht 62 Millionen Nutzer. Wie viele davon aktiv sind und somit zu den treuen Residents gehören und wie viele davon bloß als Touristen vorbeigeschaut haben, die sonst ihren Wohnsitz auf Facebook und/oder Twitter haben, verrät der Bericht nicht. Meine Besuche auf Google+ beschränken sich derzeit nur auf ein paar Wochenend-Trips und Event-Reisen, wenn mal wieder etwas Neues los ist. Ob das so bleibt oder ob ich es mir in meiner Google+Wohnung doch noch gemütlich machen werde, wird sich noch zeigen …

Written by ilosweb2null

1. Januar 2012 at 21:58

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Horror-Szenario oder Utopie: Dein reales Leben ist Facebook!

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Der Großteil deiner Freunde arbeitet in der Landwirtschaft oder im Untergrund und versucht ständig, dich zu überreden, selbst einzusteigen. Du bist genervt davon, dass du täglich Geschenke bekommst und nimmst sie deshalb gar nicht mehr an. Deine beste Freundin zeigt deinem Chef eure Partyfotos – dabei kennt sie ihn gar nicht. Eine Freundin von dir hat soeben einen neuen Blogeintrag geschrieben, zwingt ihn all ihren Bekannten auf und du liest ihn gerade? – Willkommen auf Facebook!

Wenn sich Freunde, Verwandte, Kollegen und Bekannte in einem virtuellen Raum versammeln und sich dort anders als in der realen Welt verhalten, ist man manchmal überfordert und ergreift dann per Klick die Flucht hinaus in die Wirklichkeit. Was wäre aber, wenn unser reales Leben nach Facebook-Spielregeln ablaufen würde? Die Frage haben sich Komiker und Künstler gestellt und das Szenario nachgespielt. Horror-Vision oder Utopie? Hier ein 3 Video-Beispiele:

1. Facebook in Real Life – Szenario I

2. Facebook in Real Life – Szenario II

3. The Toxic Avenger feat. Orelsan – N’Importe Comment


Eigene Ideen für Facebook-Real-Life-Parodien oder -Utopien? Gerne auch auf Facebook! 😉

Written by ilosweb2null

12. August 2010 at 20:35

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Twitter und Facebook im Tennisfieber

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Screenshot: Twitter Trending Topics am 2. Juni, 21:15 Uhr

Screenshot: Twitter Trending Topics am 2. Juni, 21:15 Uhr

Puuuuh! Das Duell um den Halbfinal-Einzug zwischen Jürgen Melzer und Novak Djokovic bei den French Open war nicht nur eine Nervenprobe für die beiden Tennisspieler. Auch ich kam beim Mitfiebern mit Jürgen Melzer dem Wahnsinn nahe. Kennt ihr das auch? – Das Wohnzimmer wird zum Tennisplatz, die Fernbedienung zum Schläger und man versucht vergeblich das Spielgeschehen im Fernsehen durch angespannte Handbewegungen zu beeinflussen. Nach langer Qual – die erlösende Sensation: Außenseiter Jürgen Melzer hat sich gegen den Weltranglisten-Dritten Novak Djokovic durchgesetzt und wird im Halbfinale auf Sandkönig Nadal treffen.

Jürgen Melzer – Vom Tennisplatz in die Trending Topics
Auch aus der Social-Media-Perspektive gelang dem Österreicher eine kleine Sensation. Er schaffte es auf Platz 4 der weltweiten Twitter Trending Topics, der auf Twitter meistdiskutierten Themen. (Siehe Screenshot rechts) Eine erfrischende Abwechslung zum üblichen Mix, den zumeist weltweit prominente Namen wie Justin Bieber, Jay-Z oder große Fußballclubs dominieren.

Sharing Results & Emotions
Wie schon auch beim Eurovision Songcontest vor ein paar Tagen, geht es auch hier um den Aspekt des Teilens nach dem Motto „Share The Moment“. Während des Spiels versorgen neutrale Berichterstatter ihre Freunde und Follower mit Updates zum Spielstand. Daneben teilen Tennisfans von beiden Seiten ihre Emotionen und Euphorie. Mit dem visuellen und akkustischen Erlebnis vor dem Fernseher oder gar vor Ort kann das Mitlesen der Live-Tweets und Statusmeldungen nicht mithalten. Dennoch bringen die „Juhuuus“ und „Hurraaas“ ein bisschen Stimmung in die Online-Plattformen und machen jene Freunde und Follower, die noch nicht dazugeschaltet haben, darauf aufmerksam, dass in dem Moment auf einem Sandplatz in Paris etwas Aufregendes passiert.

Jürgen Melzer ist übrigens wieder aus den 10 beliebtesten Themen auf Twitter verschwunden. Ob er beim Spiel gegen Nadal wieder für Gesprächsstoff sorgen wird? – Ich hoffe es jedenfalls und drücke ihm die Daumen.

Written by ilosweb2null

2. Juni 2010 at 21:58

Eurovision Songcontest: „Share The Moment!“

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Logo Eurovision Songcontest„And twelve points go to …“, heißt es heute Abend in 39 Ländern Europas. Noch bevor der Eurovision Songcontest 2010 in Oslo in die Endrunde geht, vergebe ich „Douze Points“ an das diesjährige Motto der Show: „Share The Moment“. Der norwegische TV-Sender NRK, der das Thema noch Ende 2009 ankündigte, setzte damit einen neuen Fokus: weg vom einseitigen Senden hin zum Teilen. Woran erinnert uns das? – Genau, an die Prinzipien des Web 2.0 bzw. Social Media.

Die Maßnahmen im Bereich Social Media wurden aus meiner Sicht gut umgesetzt. Die Veranstalter machen nicht nur die kollektive Teilnahme an der Show und das Teilen der Eindrücke zum Thema, sondern bieten auch einen adäquaten Online-Auftritt. Hier eine kleine Analyse zum Social-Media-Auftritt von Eurovision.tv.

Europaweite Vernetzung statt Isolation
Man kann ihn mögen oder nicht – der Eurovision Songcontest ist die größte europäische Fernsehproduktion und lockt immerhin mehr als 120 Millionen Zuseher. Die  Herausforderung besteht nun darin, das große Konglomerat aus verschiedenen Nationen mit all ihren kulturellen Eigenheiten zu vereinen und sie in einer größeren Dimension teilhaben zu lassen als durch den bloßen Empfang einer TV-Sendung. Besonders abwechslungsreich wird die Teilnahme dann, wenn sich die Zuseher aus verschiedenen Ländern vernetzen und ihre Eindrücke und Emotionen teilen. Wie kommentieren die Skandinavier den griechischen Beitrag und was gefällt den Zusehern vom Balkan außerhalb des Ethnopop-Genre? Wie kommt Lena Meyer-Landrut in den baltischen Ländern an?

Facebook und Twitter machen viele Diskussionen transparenter und zugänglicher, die zuvor in geschlossenen Räumen geführt wurden. Die offizielle Facebook-Page zum Songcontest hat immerhin über 125.000 Fans und mal abgesehen von den zumeist passiven „Likes“ ist auch die aktive Teilnahme beachtlich: Die Status-Updates von Eurovision.tv erreichen bis über 1.000 Kommentare und parallel zum Live-Stream der Semifinal-Shows kommunizierten User aus ganz Europa im Facebook-Chat über die Beiträge. Umfangreich war bisher auch die Nutzung des offiziellen Twitter-Hashtags #ESC. Während der Liveübertragungen bin ich so selbst oft über unterhaltsame Tweets gestolpert, die ich viel erfrischender fand als die Kommentare im Fernsehen.

Publikum nachfolgen statt nachtrauern
Die EBU (European Broadcasting Union), zu deren Produktionen unter anderem der Eurovision Songcontest gehört, hat beim TV Summit 2009 Social Media auf ihre Agenda gesetzt. Mit Obamas Wahlkampagne als Vorbild und „Making Change Happen“ als Motto hat sich die europäische Rundfunkunion zum Ziel gesetzt, verlorene Zuseher im Internet wiederzugewinnen. Überlegt werden also zukunftsfähige Modelle, mit denen man auch den „Digital Natives“ entgegenkommt . Mit dem diesjährigen Motto „Share The Moment“ und dem offiziellen Internetauftritt des Eurovision Songcontest wurde ein wichtiger Schritt in diese Richtung gemacht. Ich bin gespannt, wie die weitere Entwicklung aussieht und wie flexibel die EBU und ihre Mitglieder auf neue Trends reagieren werden.

Online-Verweise:
http://www.eurovision.tv
http://www.facebook.com/EurovisionSongContest
Offizieller Twitter-Hashtag: #ESC

Wer sind eure Favoriten dieses Jahr? Viel Spaß beim Mitfiebern, Mitdiskutieren und Punkteraten! 😉

Written by ilosweb2null

29. Mai 2010 at 12:23

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Musikstars aus Südosteuropa besingen ihre Facebook-Liebe

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Die Musik eines Landes ist ein wesentlicher Bestandteil seiner Kultur und sagt viel darüber aus, wie die Menschen dort leben und lieben. In Südosteuropa gehören mittlerweile auch Online-Bekanntschaften zu den Musen der Musikwelt. Ob daraus zu schließen ist, dass das Internet mehr in den Alltag integriert ist als bei uns in Österreich? Hier eine kleine Analyse:

Verrückt nach einer Facebook-Bekanntschaft: In seinem Song „Çılgın“ (Verrückt) singt der türkische Popstar Ismail YK über die Liebe auf den ersten Facebook-Login:

„Ich ging ins Internet-Café und ging auf Facebook, loggte mich ein als „Verrückt“ [Verwechselt da jemand Facebook mit einem Chatroom?!] und wurde auch ein Mitglied [Hm?]. Ich traf eine wunderschöne Person und wir schrieben einander Tag für Tag … Alle fragen mich, wo ich sie gefunden habe. Facebook, Facebook, ich suchte jeden Tag. Facebook, Facebook, dort habe ich das Mädchen gefunden. Facebook, Facebook, ich habe mich auf den ersten Blick in sie verknallt …“

Liebe auf den ersten Klick: Während in Österreich Facebook vorwiegend dazu genutzt wird, um den Kontakt zu Familie, Freunden und anderen Bekannten aus der realen Welt virtuell aufrechtzuerhalten, haben viele Südosteuropäer die Social Media Plattform als Flirtpool entdeckt und haben tendenziell weniger Hemmung, sie auch als solchen zu nutzen. Die Freundschaftsanfrage von Unbekannten ist üblicher und wird auch eher angenommen als bei uns. Und nicht selten verwandeln Türken, Griechen, Bosnier oder Serben ihre Facebook-Beziehung in eine richtige Partnerschaft. Leichtsinn und Naivität oder doch eher Offenheit für Neues und zeitgemäße Romantik? – Ansichtssache.

Das Internetcafé: Wann warst du das letzte Mal in einem Internetcafé? Warst du schon jemals in einem Internetcafé? Während wir es großteils gewohnt sind, dass das Internet zuhause auf uns wartet oder uns auch unterwegs begleitet, verzichtet Ismail YK im Song „Çılgın“ wie viele seiner Landsleute auf den privaten Anschluss und verbringt stattdessen lange Stunden im Internetcafé. Der Anteil der privaten Anschlüsse steigt stetig, das Internetcafé genießt aber nach wie vor große Beliebtheit, wie auch das Beispiel Bosnien-Herzegowina abschließend zeigt.

Internetepidemie: Die bosnische Sängerin Ada Grahovic singt in ihrem Song „Internet Epidemija“ über ihre Online-Liebe. Wer bei diesen Lyrics ins Schmunzeln kommt, dem geht es auch nicht anders als vielen Einheimischen beim Hören der sogenannten „Turbo-Folk„-Musik, aber das ist eine andere Geschichte.

„Ja, ich habe mich über andere lustiggemacht, dass sie verrückt sind, wenn sie sagen, dass man über das Internet lieben und sich verlieben kann. Hey, verrückter Kopf, sag niemals nie, dich hat’s auch erwischt. Am Wochenende gehe ich nicht aus, weil ich online bin wegen dir mein Süßer. Liebe über’s Internet – eine Epidemie! Heilt mich davon nicht, besser ich bin krank davon. So fern, so nah gehöre ich ihm. Süße Mails halten mich bis morgens wach. Aha, diese „Internetmanie“ kreist um die Welt und ich bin nicht immun geblieben und bin über das Wochenende zu Hause …“

Connecting Diaspora Singles: „So fern, so nah“ kann bedeuten zwischen Sarajevo und Mostar, aber auch zwischen Sarajevo und Chicago. Viele Menschen mit den gleichen geografischen Wurzeln trennen nun vielleicht sogar Weltmeere. Umso größer ist für neugierige Singles der Reiz, Bekanntes mit Fremdem zu verbinden und bei der Partnersuche in die Ferne zu blicken, gleichzeitig aber der eigenen Kultur nah zu bleiben. Facebook & Co. eignen sich für solche Auslands-Schwärmereien deshalb gut, weil örtliche Distanzen für die Kommunikation im Web nicht entscheidend sind. Wenn die Auswanderer in der Diaspora nostalgisch werden und Traditionen und den Lebensstil ihrer Heimat vermissen, ist die Kontaktaufnahme zur Heimat naheliegend. Umgekehrt träumen viele Daheimgebliebenen von einer besseren Zukunft im Westen, die ihnen zuhause bislang verwehrt blieb. Gerne wird dann bei der Suche nach Mister oder Miss Perfect der eigene Heimatort ausgeblendet und der Blick durch eine rosa Brille in die Ferne gerichtet. Eine doppelte Realitätsflucht: Die Flucht in die Virtualität in der Hoffnung auf eine Fluchtmöglichkeit in eine scheinbar bessere Welt.

Im Großen und Ganzen sind die Bewohner der Balkan-Halbinsel aber gesellige Lebenskünstler und genießen die Wirklichkeit anstatt vor ihr zu fliehen. Deshalb spricht Milan Stankovic, der diesjährige serbische Eurovision-Songcontest-Teilnehmer, mit seinem Song „Fejs“ (Slang: Facebook) vielen seiner Landsleute und Balkan-Nachbarn aus der Seele:

„Du tippst Küsse, zeichnest tagelang Smileys. Du schickst mir Clips, nachts schickst du mir Links. Erst über die Camera erkenne ich deine Absichten, aber es hat alles keinen Sinn, wenn du nicht bei mir bist. Trenne dich vom Netz, melde dich vom Chat ab. Ist die reale Welt nicht schöner als die unwirkliche? Steig aus Facebook aus, lass von MySpace ab, denn eine Beziehung über das Netz stört mich gewaltig. Mach einen Spaziergang zu mir, genieße LIVE.“

Beispiel: Internetnutzung in Bosnien-Herzegowina: Die Ergebnisse der letzten Erhebung der Nutzerzahlen durch GfK Bosnien-Herzegowina (www.gfk.ba) vom Juli 2009 zeigen, dass die oben vorgestellten Trends keine Massenphänomene sind, da insgesamt nur 35 Prozent aller Bosnier das Internet nutzen und dementsprechend auch wenige Haushalte einen Internetanschluss besitzen (29 Prozent). Ein bereits genanntes Merkmal der südosteuropäischen Internetkultur ist die Popularität des Internet-Cafés. In Bosnien-Herzegowina surfen mehr als 20 Prozent aller Nutzer von einem Internet-Café aus.

Written by ilosweb2null

20. April 2010 at 22:06

Verliebt im Web – Am 14. Februar ist Valentinstag

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Ja, ich bin ein Valentinstagsmuffel, aber ein bisschen Kitsch-per-Klick schadet nicht. Denn mal ehrlich: Die vielen „I hate Valentine’s Day“-Gruppen auf Facebook sind mittlerweile genauso abgeschmackt wie rote Marzipanrosen und Pralinen in Herzform. Geben wir also Amor auch eine Chance und lassen wir ihn ein Teil der Digital Native Community werden. Vielleicht folgen ihm dann sogar die romantischen Online-Verweigerer ins Netz.

BIPA in Love

Unter dem Motto „BIPA in Love“ organisiert die Drogeriemarktkette BIPA auf Facebook ein Valentinstags-Gewinnspiel. Kreative Geschichtenerzähler können ihrer Fantasie freien Lauf lassen, denn die Aufgabe ist es, das Ende einer Geschichte zum Thema Liebe & Freundschaft zu finden. Die besten „Happy Ends“ gewinnen.

Hooligans in Love – What do you do when Valentine’s day falls on game day?

Die fußballverliebte Puma-Zielgruppe steht am Valentinstag vor einem großen Dilemma, denn Valentinstag ist Fußballsonntag. Wer am am 14. Februar weder die Freundin noch die Fußballfreunde im Stich lassen möchte, stimmt im PUMA Hardchorus mit ein: „I’ll be your dream, I’ll be your wish, I’ll be your fantasy …“

Valentinstag – der kitschige Internetauftritt zum Film

Die englischsprachige Facebook-Seite zum Film „Valentinstag“ ist zu einer Spaßplattform für Freunde der kitschigen Romantik geworden. Hier ein kleiner Auszug der Facebook-Applications und der anderen Social Media Auftritte:

Die Google-Suche nach der großen Liebe

7 Tage vor dem Tag der Liebenden wirbt Google in der Super-Bowl-Pause mit ungewohnter Romantik. Das Motto: „Parisian Love“ – die Google-Suche nach der großen Liebe in Paris.

Wäre die Liebe bloß so einfach wie die vorgestellten Suchfunktionen … Aber das ist ja das Spannende am Leben abseits der Google-Welt. In diesem Sinne, einen schönen Valentinstag an alle Verliebten und an jene, die noch auf der Suche sind – mit oder ohne Google-Eingabefeld. 😉

Written by ilosweb2null

9. Februar 2010 at 18:10