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Wie habt ihr euch kennengelernt?

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Binary Love„Wie habt ihr euch kennengelernt?“ – Dieser Frage stellen sich frische Paare bei ihrer ersten offiziellen Pressekonferenz vor neugierigen Freunden und Bekannten. Die einen können es kaum erwarten, ihre gemeinsame Geschichte zu erzählen. Von der verlorenen Sandkästchenliebe, die sich nach vielen Jahren an einem ungewöhnlichen Ort wiedergefunden hat, vom sympathischen Nachbarn, der jeden Morgen zur gleichen Zeit im Lift steht oder vom Gegenüber auf einer langen Zugfahrt, das zufällig die gleiche Lektüre ausgepackt hat. Wie süß! Wie romantisch! – Glückspilze!

Es gibt nämlich auch die anderen Paare, für die die Frage ein Grauen ist. Denn sie ernten mit ihren Antworten skeptische Blicke. Einige Beispiele:

„Beim Urlaub auf Mallorca.“
„Durch eine Kontaktanzeige.“
„Über das Internet.“

Fokus dieses Blogeintrags: Die Internetbekanntschaft.

Immer mehr Paare haben einander im Internet kennengelernt, zunächst vielleicht nur als Bild mit Text, nur Text oder als Video und irgendwann kam das erste Offline-Treffen. Manche wünschen sich, sie hätten eine Geschichte mit spannenderer Dramaturgie zu erzählen. Eine kitschige Love-Story, auf die dann der „Oh-wie-romantisch“-Seufzer der Zuhörer folgt. Einige outen sich nicht einmal, sondern schützen sich mit dem Deckmantel einer Offline-Geschichte vor Mitleid oder abschätzigen Bemerkungen. Ihre wahre Liebesgeschichte wird in naher Zukunft wohl nicht Vorlage für eine TV-Serie mit dem Titel „How I Met Your Mother“ werden, sondern nur für eine Folge namens „Irre heiß“. Und ich vermute, dass „E-Mail für dich“ auch nur deshalb bei Romantikern punkten konnte, weil sich hinter dem Pseudonym „NY152“ der bereits bekannte Joe Fox verbirgt.

Begründete Skepsis oder romantischer Snobismus?
Ja, ich übertreibe. Aber Hand aufs Herz: Haben wir nicht alle schon mal den Wert der Beziehung eines Mitmenschen in Frage gestellt, weil sie zunächst nur auf Chat-Protokollen aufbaut? Ich schon. Die relevante Frage aber ist: Beruht die Skepsis auf begründete Annahmen (z.B. Herr X oder Frau Y kann sich im Internet leicht verstellen.) oder dominiert bloß das Gefühl der Überlegenheit der klassischen Liebesgeschichte gegenüber der Online-Version? Schließen wir nämlich die aus Liebesfilmen und -romanen gelernten Muster aus unserer Beurteilung aus, ergibt das ganze dann doch mehr Sinn. Zum Beispiel, wenn wir den in derStandard erschienenen Artikel des Bloggers Luca Hammer lesen.

Warum also den Online-Pärchen keine Chance auf den „Oh-wie-romantisch“-Effekt geben? Sie lernen sich ja ohnehin auch offline kennen und sind im Punkt Selbstbestimmung den Verkuppelten und per Zufall Begeneten eine Nasenlänge voraus. Außerdem haben sie sich an einem Ort kennengelernt, an dem ihre gemeinsamen Interessen liegen. Und die ultimative Liebesformel hat bislang noch niemand entdeckt. Vielleicht versteckt sie sich ja ausgerechnet hinter einem Binärcode?

Written by ilosweb2null

28. August 2011 um 15:06

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