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Archive for August 2011

Wie habt ihr euch kennengelernt?

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Binary Love„Wie habt ihr euch kennengelernt?“ – Dieser Frage stellen sich frische Paare bei ihrer ersten offiziellen Pressekonferenz vor neugierigen Freunden und Bekannten. Die einen können es kaum erwarten, ihre gemeinsame Geschichte zu erzählen. Von der verlorenen Sandkästchenliebe, die sich nach vielen Jahren an einem ungewöhnlichen Ort wiedergefunden hat, vom sympathischen Nachbarn, der jeden Morgen zur gleichen Zeit im Lift steht oder vom Gegenüber auf einer langen Zugfahrt, das zufällig die gleiche Lektüre ausgepackt hat. Wie süß! Wie romantisch! – Glückspilze!

Es gibt nämlich auch die anderen Paare, für die die Frage ein Grauen ist. Denn sie ernten mit ihren Antworten skeptische Blicke. Einige Beispiele:

„Beim Urlaub auf Mallorca.“
„Durch eine Kontaktanzeige.“
„Über das Internet.“

Fokus dieses Blogeintrags: Die Internetbekanntschaft.

Immer mehr Paare haben einander im Internet kennengelernt, zunächst vielleicht nur als Bild mit Text, nur Text oder als Video und irgendwann kam das erste Offline-Treffen. Manche wünschen sich, sie hätten eine Geschichte mit spannenderer Dramaturgie zu erzählen. Eine kitschige Love-Story, auf die dann der „Oh-wie-romantisch“-Seufzer der Zuhörer folgt. Einige outen sich nicht einmal, sondern schützen sich mit dem Deckmantel einer Offline-Geschichte vor Mitleid oder abschätzigen Bemerkungen. Ihre wahre Liebesgeschichte wird in naher Zukunft wohl nicht Vorlage für eine TV-Serie mit dem Titel „How I Met Your Mother“ werden, sondern nur für eine Folge namens „Irre heiß“. Und ich vermute, dass „E-Mail für dich“ auch nur deshalb bei Romantikern punkten konnte, weil sich hinter dem Pseudonym „NY152“ der bereits bekannte Joe Fox verbirgt.

Begründete Skepsis oder romantischer Snobismus?
Ja, ich übertreibe. Aber Hand aufs Herz: Haben wir nicht alle schon mal den Wert der Beziehung eines Mitmenschen in Frage gestellt, weil sie zunächst nur auf Chat-Protokollen aufbaut? Ich schon. Die relevante Frage aber ist: Beruht die Skepsis auf begründete Annahmen (z.B. Herr X oder Frau Y kann sich im Internet leicht verstellen.) oder dominiert bloß das Gefühl der Überlegenheit der klassischen Liebesgeschichte gegenüber der Online-Version? Schließen wir nämlich die aus Liebesfilmen und -romanen gelernten Muster aus unserer Beurteilung aus, ergibt das ganze dann doch mehr Sinn. Zum Beispiel, wenn wir den in derStandard erschienenen Artikel des Bloggers Luca Hammer lesen.

Warum also den Online-Pärchen keine Chance auf den „Oh-wie-romantisch“-Effekt geben? Sie lernen sich ja ohnehin auch offline kennen und sind im Punkt Selbstbestimmung den Verkuppelten und per Zufall Begeneten eine Nasenlänge voraus. Außerdem haben sie sich an einem Ort kennengelernt, an dem ihre gemeinsamen Interessen liegen. Und die ultimative Liebesformel hat bislang noch niemand entdeckt. Vielleicht versteckt sie sich ja ausgerechnet hinter einem Binärcode?

Written by ilosweb2null

28. August 2011 at 15:06

1 Monat + 1

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Fast ein Monat ist seit meinem Einzug in Google+ vergangen. Kahle Wände bis auf ein Portrait von mir, eine herzliche Willkommensbegrüßung durch die ersten Nachbarn und ein neugieriges Herantasten an die neue Umgebung – so sah mein erster Abend aus. Inzwischen hatte ich genügend Zeit, mich durch die Innen- und Außenwelt durchzuklicken und mich mit Freunden, Kollegen, Verwandten, Bloggern, Facebookern und Tweeple zum neuen Social Network auszutauschen.

Das Gefühl kennt ihr auch bestimmt: Gerade in eine neue Stadt oder Wohnung gezogen, ständig stößt man auf etwas Neues, jede Kleinigkeit ist so aufregend, dass man sie unbedingt den Freunden und der Familie mitteilen muss. Ich nutze diesen Moment, in dem noch alles frisch ist und nicht zum unsichtbaren Alltag geworden ist, um meine Eindrücke von Google+ zu teilen. Vielleicht hält der Frische-Effekt ja länger an, vielleicht ist es aber auch mein letzter Blogeintrag zu Google+. Mal sehen, wie viel Inspiration und Überraschungen die Welt der Google-Circles noch bringt. Aber ich denke, es kommt noch mehr – oder auf Französisch – PLUS.

Mein bisheriger Eindruck von Google+? Die Zeit Online-Redakteurin Anna Marohn hat bereits ein paar treffende Worte formuliert:

„Ein bisschen ist es, wie eine neue Wohnung zu beziehen. Ich laufe erst mal die Räume ab, um mich zurechtzufinden – alles so schön neu hier. Erster Eindruck: Google+ hat die elegante Optik eines aufgeräumten Lofts. Mein altes Soziales Netzwerk Facebook erinnert dagegen an eine dezent zugemüllte Studentenbude, in der ständig fremde Leute zu Gast sind.“ (Zeit Online)

Einen kleinen Unterschied gibt es zwischen Annas alter Wohnung und meiner. Mein Facebook errinert weniger an eine offenherzige Studentenbude, sondern mehr an ein verriegeltes Haus mit geheimen Zugängen für auserwählte Personen. Nur bilden diese Geheimgänge mittlerweile ein wahres Labyrinth, das sich mit zunehmender Freundezahl noch mehr verzweigt. Twitter ist für mich wiederum keine Wohnung, sondern mehr eine öffentliche Fachbibliothek, die zwar jeder frei besuchen kann, aber nur eine geringe Zielgruppe hat wirklich das Interesse dazu. Google+ wird derzeit noch mehr als private Fachbibliothek genutzt, aber das riesige Wohnhaus bietet noch viel Platz für neue Nachbarn, die die Bude bestimmt noch aufmischen werden.

 

Written by ilosweb2null

6. August 2011 at 09:22

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