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So fern und doch so nah – Reiseblogs im Fokus

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Istanbul, by Kıvanç Niş/Flickr

„Travel is fatal to prejudice, bigotry and narrow-mindedness“ – Mark Twain

Was Mark Twain wohl über Reiseblogs gesagt hätte? Wie wertvoll kann so eine Hypertextreise für uns Leser werden?

Mit ihren lebendigen Einträgen aus der Ferne, ausgeschmückt mit farbenfrohen Fotos, lassen uns Reiseblogger an ihren Erlebnissen teilhaben, vermitteln jedoch nur soviel, wie Text, Bild und Vorstellungskraft des Lesers erfassen können. Der Anblick einer bunten Gewürzmischung auf dem Basar ist schön, das Empfinden vor Ort mit allen 5 Sinnen aber unbeschreiblich. Doch auch wenn Reiseblogs das eigene Erleben fremder Länder und Kulturen nicht ersetzen können, inspirieren sie uns vielleicht zu neuen Reisen oder zeigen uns die Orte aus anderen Blickwinkeln.

Online-Reiseführer mit Persönlichkeit
Professionelle Reiseführer mit Bloggern hinsichtlich ihrer Qualität zu vergleichen, macht für mich wenig Sinn, weil sie unterschiedliche Bedürfnisse der Leser befriedigen. Der Reiseführer hilft bei der Orientierung, beantwortet grundsätzliche Fragen und bringt einen nützlichen Überblick über interessante Sehenswürdigkeiten mit den wichtigsten Infos. Der Blogger fokussiert sich zumeist auf wenige Orte, die er persönlich interessant findet und haucht ihnen mit Anekdoten etwas Leben ein. Was darin steht, hängt von der Persönlichkeit und den Interessen des Bloggers ab. Ist er Romantiker oder Draufgänger? Lernt er gerne Sprachen? Interessiert er sich für Politik? Welche Musik hört er gerne?

Bereits bekannt und doch neu
Und gerade weil Reiseblogs die individuelle Persönlichkeit des Autoren spiegeln, ergänzen sie in manchen Fällen eigene Erlebnisse, weil sie die Reiseziele aus einer anderen Perspektive zeigen. Ich lese sehr gerne Blogeinträge zu Orten, an denen ich schon einmal gewesen bin. Dazu gehören Reiseberichte aus meiner Heimatstadt Sarajevo, die auch ich mehr als Besucherin und weniger als Bewohnerin kenne. Und dennoch nehme ich die Stadt anders wahr als Menschen, die sie zum ersten Mal besuchen und einen anderen kulturellen Hintergrund haben als ich. Mit ihren Erzählungen erweitern sie dann auch meinen Horizont. Ein gelungenes Beispiel ist der Blogeintrag von Dieter Zirnig  zu seinem Neujahrsbesuch in Sarajevo und Mostar. Wer sonst nur die Webseite der bosnischen Tourismusvereinigung kennt, wird die Städte aus einem anderen Blickwinkel kennenlernen, in Text sowie in Bild. So nett die Darstellung Bosnien-Herzegowinas als herzförmiges Land auf der Tourismuswebseite auch ist – den wahren Charme des Landes und seiner Leute fängt ein Reiseblogger zumeist besser ein.

Mut zum Andersreisen
Spannend sind Reiseberichte vor allem dann, wenn sie Erlebnisse schildern, an die man sich selbst noch nicht herangewagt hat. „Na die trauen sich was.“ Auf Skepsis folgen Neugier und Bewunderung – und wer mutige Abenteurer oder Auswanderer nicht nur in TV-Dokusoaps verfolgen will, für den sind Reiseblogs eine gute Alternative. Dabei muss man gar nicht so weit reisen, um Skepsis zu begegnen. Die meisten Couchsurfer werden diese Situation kennen:

My friends look at me a mix of disbelief, skepticism and disgust on their faces. „Seriously? You’d let strangers sleep in your home, use your bathroom and leave all their germs around, and you’ll get NOTHING in return? Why would you do that?“ – Elena, Bloggerin

In einem Gastbeitrag im Blog „A Travel Around The World“ erklärt die Mazedonierin Elena ihre Begeisterung für Couchsurfing und schildert dessen Vorzüge, die Skeptiker vielleicht nicht kennen. Sie erzählt beispielsweise, dass sie sich durch die Augen ihrer Gäste in Plätze ihrer Heimatstadt verliebt hat, die sie zuvor kaum kannte. Sie hat die Dinge in einem anderen Licht gesehen und konnte herausfinden, was ihr am meisten an der Stadt gefällt. Wer mehr Eindrücke aus Elenas Leben als Couchsurferin gewinnen will, liest am besten den eigenen Blog des Couchsurfing-Paares Elena & Ivica: CouchLog.

Blogs für Reiseportale
Reiseblogs sind auch aus Unternehmenssicht eine gute begleitende Lösung. Reiseportale, die den Nutzern ihre eigenen Angebote oder Inhalte näher bringen wollen, können ihre Webseite mit einem Blog kombinieren, der die Reiseziele näher under die Lupe nimmt. Zumeist weniger bekannt, aber für bestimmte Zielgruppen besonders lesenswert, sind Blogs von Nischenportalen. Ein Beispiel dafür ist der Blog zum Startup Halaltrip, das sich als Reiseführer für Muslime spezialisiert hat und dementsprechend seinen Fokus auf andere Gesichtspunkte der Reiseplanung legt. Im Zentrum steht dabei das barrierefreie Reisen für Muslime unter Berücksichtigung besonderer Aspekte wie Halal-Speisen oder separater Schwimmbäder für Frauen.
Der Blog von Joobili (Timely Travel – „You Say When – We Say Where“) könnte für Veranstaltungsreisende und Festivalfreunde interessant werden, wenn die Postingfrequenz zunimmt. Bislang gibt es leider noch zu wenig Inhalt.

Da die Interessen und Reisemotive sehr individuell sind, gibt es jetzt keine Top-10-Liste meiner Lieblingsblogs, zumal sich auch meine eigenen Präferenzen laufend ändern. Ranking-Junkies empfehle ich die Travel Blog Rankings, die aus den durchschnittlichen Rankings von Alexa und Compete.com berechnet werden.

Und wohin geht eure nächste Reise? – Ich habe mir für meinen nächsten Urlaub Istanbul vorgenommen. Wer dazu ein paar gute Blogs kennt oder selbst schon einmal in Istanbul war – ich freue mich über Tipps! In diesem Sinne – Bon Blog Voyage!😉

Written by ilosweb2null

25. Mai 2010 um 13:07

Veröffentlicht in Blogs, Reisen, Webtipps

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