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Oe2020.at – mehr Partizipation oder neue Mitmach-Illusion?

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In meinem Blogeintrag „Wähler im Web 2.0: Beduinen ohne Chance auf Klimaanlagen“ beschrieb ich anhand einer Metapher das Problem der scheinbar gegebenen Partizipationsmöglichkeit, die auf das Umfeld abseits der Online-Plattformen kaum eine Auswirkung hat.

Am Freitag, 26. Februar, geht die Internetplattform zur SPÖ-Initiative „Österreich 2020“ online: (www.oe2020.at) – Neue Hoffnung für die Wähler im Web 2.0, als Diskussionspartner einer politischen Partei auch wirklich ernst genommen zu werden. Gemeinsam mit 19 anderen Web-2.0-Vertretern durfte ich die Plattform 2 Tage vorab testen. Hier ein paar erste Eindrücke:

Design & Aufbau: Stimmiges Design mit 2 Farbakzenten – ein rot-grauer Faden, der sich durch den gesamten Online-Auftritt zieht. Einfacher Aufbau, der die Orientierung erleichtert und beim Klick-Sparen hilft. Lediglich die „Tagroll“ (gelistete Tags) ist noch etwas gewöhnungsbedürftig. Tagcloud-Fans, die ohne die Wolke nicht leben können, klicken dann aber einfach ins erweiterte Tag-Verzeichnis „alle tags“ und finden hier dann Altbewährtes.

Mein Fazit: ✔ Die Seite entspricht dem Motto „weniger ist mehr“ und unterstützt mit ihrem einfachen Design und Aufbau die Nutzerfreundlichkeit.

Oe2020

Diskursgruppen: Themen

Inhalt: Im Vergleich zur Online-Kampagne mit den 120 BotschafterInnen zur EU-Wahl oder dem Web-Auftritt campa.at ist die Plattform oe2020.at offener im Sinne von geringeren technischen Zugangsbarrieren (Registrierung erleichtert zwar die Beteiligung, ist aber zur Nutzung nicht unbedingt erforderlich), aber auch im Sinne von einer größeren Offenheit gegenüber Nicht-Mitgliedern. Die Themenorientierung nimmt zu und Themengruppen bestimmen den Aufbau der Seite.

Mein Fazit:? Gute Basis für Diskussionen. Ich erhoffe mir hier daher mehr Diskurs, auch mehr Beteiligung und Einbindung der Nicht-Sympathisanten. #unibrennt hat uns gezeigt, dass die Netz-Community keineswegs politikverdrossen ist, den politischen Diskurs sucht und organisiert arbeiten kann. Von kritischen Debatten können beide Seiten profitieren, denn schließlich geht es bei diesem Online-Auftritt auch um eine gemeinsame Zukunft und damit auch positive Veränderungen, die ohne Hinterfragen bestehender Zustände nicht möglich sind.

Technische Basis für Partizipation: Die Nutzer können an unterschiedlichen Diskursgruppen mit festgelegten Themenschwerpunkten teilnehmen und an eigene Interessensgebiete angepasste Newsletter abonnieren (Wie der Newsletter dann aussieht, kann ich noch nicht sagen – auf den muss ich selbst noch warten). Artikel können mit „gefällt mir“ bewertet und kommentiert werden. Mein Favorit ist das Notepad-Modul, in dem sich registrierte Nutzer an der Diskussion zu Spezialthemen beteiligen können. Im Vergleich zu gewöhnlichen Diskussionsforen bildet das Notepad einen graphisch dargestellten, nach Themen strukturierten und damit logisch nachvollziehbaren Diskussionsstrang:

Notepad

Mein Fazit: ✔? Der Nährboden für eine blühende Partizipation ist technisch gegeben. Die Pflanzen müssen aber auch gegossen werden. Die technsiche Umsetzung kann Partizipation und Mitbestimmung sehr wohl unterstützen (was sie meinem Eindruck nach hier auch macht), bildet aber nur die Grundlage.

„If democracy is understood as the production of information by all that has no significant political effects and leaves dominant power structures untouched, then an ideological way of legitimating existing modes of domination is present. Everybody can then voice her or his opinion on the Web, but nobody will care about it because the real decisions are still taken by the elite groups. The information produced then constitutes an endless flood of data, but not significant political voices.“ (Fuchs 2009, S. 83: http://fuchs.icts.sbg.ac.at/ICTS_EJC.pdf)

Hier sind die Beteiligten (User-Seite und v.a. Partei-Seite) gefordert, gemeinsam eine wirkliche Partizipationsplattform zu entwickeln. Ob und inwieweit sich oe2020.at zu einer solchen entwickeln wird, kann ich jetzt noch nicht sagen, aber sobald ich einen Eindruck gewonnen habe, gibt es in meinem Blog mehr darüber zu lesen.

Wen ich jetzt schon lobend hervorheben kann, ist Marko Zlousic (Blog / Twitter), der als Web-2.0-Verantwortlicher der SPÖ das Mitmach-Netz auch wirklich als solches nutzt und selbst aktiv in die Debatten der Netz-Community eingebunden ist. Hoffentlich gibt es seitens der SPÖ bald mehr davon. Ich bedanke mich für die Chance, oe2020.at vorab testen zu dürfen und empfehle dazu gleich den Blogeintrag von Thomas Knapp, der die Seite ebenfalls getestet hat und bei der Website-Beschreibung deutlich mehr in die Tiefe geht: Holt die SPÖ ins 21. Jh., ihr Webauftritt ist schon da.

Nicht vergessen: Morgen geht’s los: www.oe2020.at😉

Written by ilosweb2null

25. Februar 2010 um 12:48

Veröffentlicht in Politik

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4 Antworten

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  1. Bitte um laufende Informationen!
    MfG
    Reinhard

    Fellner Reinhard

    26. Februar 2010 at 07:13

  2. Sorry meine Webseite war falsch

    Fellner Reinhard

    26. Februar 2010 at 07:14

  3. Hallo ilosweb2null!

    Beobachte die Seite jetzt schon einige Zeit – viel los ist definitiv nicht! Entweder gibt es kaum SP-Mitglieder, die die Seite kennen – oder alles ist so offen, dass sich keiner als SP-Mitglied „outen“ will… teilweise wird sehr restriktiv mit – ich gebs zu: ungeschickt – vorgetragener Kritik umgegangen! – Die Begeisterung und Erwartung hält sich in Grenzen… ich befürchte: eine weitere Pseudo-Partizipation!

    Robert Schuh

    7. April 2010 at 18:42

  4. Hallo Robert! Danke für dein Feedback. Muss dir Recht geben, dass sich bisher noch nicht sehr viel getan hat, auch wenn ich doch Bemühungen hinter der Seite erkenne. Gelingen kann das Ganze aber natürlich nur dann, wenn von Politik & Usern viel produktives Input kommt. Noch ist hier wenig da, bin auch gespannt, wie es in der nächsten Zeit aussieht.

    Ich selbst bewerte die höhere Offenheit der Plattform als positiv. Die Hemmschwelle, offen seine Unterstützung für eine Partei auszudrücken, ist in Österreich zwar hoch, aber für User, die wirklich mitmachen wollen, sind hier zumindest die technischen Barrieren geringer als bei bisherigen Plattformen. Was mich neugierig macht, ist der von dir erwähnte restriktive Umgang mit Kritik. Was ist dir da genau aufgefallen? – Kann leider selbst nicht immer alles einfangen, deshalb freue ich mich natürlich auf Hinweise.

    ilosweb2null

    7. April 2010 at 20:40


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