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Die Ära der Linkkulturbanausen?

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Am 3. Februar findet in Wien der Blogtail #9 statt, diesmal mit einer Blog-Parade im Vorfeld. Das vorgegebene Thema dreht sich um die abnehmende Link-Kultur in Blogs:

Wir leben in einer Zeit, in der Aufmerksamkeit als Währung dient und Links ein wertvolles Gut sind. In der Blogosphäre übernehmen sie die Rolle eines Verkehrsnetzwerkes, das Leser zu weiteren Informationen und Wissen hilft indem es Verbindungen zwischen den Beiträgen erzeugt. Dennoch hat die Kultur des Verlinkens unter Bloggern abgenommen.

  • Worin siehst Du die Gründe für die Abnahme der Verlinkungen?
  • Welche Folgen ergeben sich daraus für uns als Blogger?
  • Wie gehst Du in Deinem Blog mit Verlinkungen und Blogroll um?
  • Was können wir für ein Wiederbeleben einer aktiven Link-Kultur tun?

Did Twitter kill the blog link?
Zunächst sehe ich Links nicht vom Aussterben bedroht, sondern schließe mich den Blogparade-Beiträgen von VividVisions und Podcasterin darin an, dass sich die Linkstruktur zunehmend auf andere Dienste wie Twitter verteilt. Viele Empfehlungen lassen sich beispielsweise schon in 140 Zeichen verbreiten, warum also einen eigenen Blogeintrag dafür starten? Für ein Thema, das uns besonders am Herzen liegt, das vielleicht auch etwas komplexer ist und deshalb zu schade für knappe Tweets, nehmen wir uns dann mehr Zeit und schreiben einen Blogeintrag dazu. Die Frage ist nun: Enthält dieser Blogeintrag dann Links zu anderen Einträgen bzw. Webseiten oder lediglich ein statisches Statement aus der Sicht des Bloggers?

Unabhängig davon, ob Blogeinträge mit der steigenden der Anzahl der Tweets sinken, frage ich mich: Was bewegt Blogger jetzt dazu in ihren Einträgen weniger Links zu setzen als in der Anfangsphase des Bloggens? Ich glaube nämlich nicht, dass es bloß der Link-Umzug ist, der Bloglinks verschwinden lässt. Immerhin fallen mit dem Umzug ja nicht nur Links, sondern auch Blogeinträge weg. Meine Vermutung ist vielmehr, dass die Abnahme der Linkkultur unter anderem  auch durch die Struktur der deutschsprachigen Blogosphäre ausgelöst wurde. Eine Bestätigung kann ich vorerst nicht liefern, da dazu eine detaillierte Analyse der Struktur notwendig ist, aber zumindest meine Gründe als Anregung für eine genauere Analyse.
(Hinweis: Ich spreche hier gezielt von der deutschsprachigen Blogosphäre, da sie doch eine andere Größe hat und anders strukturiert ist als z.B. die amerikanische und französische und ich zu wenige Informationen darüber habe, wie die Link-Entwicklung im internationalen Vergleich aussieht)

Linkverdrossenheit im Long Tail: „Ohne Inlinks, keine Outlinks!“
In unserem Raum bildet die Blogosphäre sehr wenige stark vernetzte Knotenpunkte mit einer hohen Autorität. Diese oft verlinkten Blogs entsprechen nur zum Teil der ursprünglichen Definition des A-List-Bloggers, da ein A-List-Blogger nicht nur häufig in anderen Blogs zitiert wird, sondern auch selbst als Sammelstelle für Informationen (auch aus kleineren Blogs) dient und diese zusammenfasst. Das setzt somit voraus, dass ein Blogger einerseits viele Inlinks bekommt, andererseits auch selbst viele Outlinks setzt. Die deutschsprachige Blogosphäre ist jedoch großteils anders strukturiert. Hier bekommen Blogs mit hoher Autorität viele Inlinks von außen, setzen Outlinks aber fast ausschließlich untereinander. Es entsteht eine Art Elite und damit wieder eine einseitige Beziehung, die vergleichbar ist mit jener zwischen Sender und Rezipient in den klassischen Medien. Die große Mehrheit bildet den „Long Tail“ der Blogosphäre, der wenig Aufmerksamkeit bekommt. Hierzu empfehle ich eine interessante Studie in den Media-Perspektiven mit der Frage nach der „Egalität in der Blogosphäre“ ab Seite 108.

Ausgehend von der Annahme, dass die „digital Reputation“ das wichtigste Gut für Blogger ist, aber ohne genügend Aufmerksamkeit nicht zu erreichen ist, stellt sich nun die Frage, wie solche „normalen“ Blogger nach einer langen Zeit des Verlinkens auf das Nicht-Verlinkt-Werden reagieren. Meine Vermutung ist, dass die Abnahme der Linkkultur  durchaus auch mit der Psychologie des Bloggens zusammenhängt. In jenen Blogs, in denen das Ringen um Aufmerksamkeit als Motiv besonders stark ausgeprägt war, werden möglicherweise jetzt auch weniger Links gesetzt – nach dem Motto: „Es bringt sich ja eh nix.“ Ich denke, dass das Ego des Bloggers hier eine wesentliche Rolle spielt. Ebenso wird sich auch der „How To Get More Followers on Twitter“-Hype mit der Zeit legen und es werden nur jene User aktiv weitertwittern und verlinken, die es zum Zweck des Informationsmanagements, also des Informierens und Informiert-Werdens, machen.

Noch ein Literaturtipp zum Thema „Linkstruktur der deutschsprachigen Blogosphäre“: Holler, Sebastian/Vollnhals, Sven/Faas, Thorsten (2008): Focal Points und Journalisten – Bedingungen für den Einfluss der Blogosphäre? In: Zerfaß, Ansgar/Welker, Martin/Schmidt, Jan (Hrsg.): Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web 2. Neue Schriften zur Online-Forschung, Band 2. Köln: Herbert von Halem Verlag, S. 94-111

Verlinkungsmotiv aus der Sicht einer Nicht-A-Bloggerin
Als „normale“ Bloggerin kann ich, gemessen an Inlinks, nicht mit den Großen mithalten. Mein Motiv ist aber auch ein anderes: die Aufrechterhaltung der Quellentransparenz und Informationsvielfalt. Ich finde es wichtig, mich auf konkrete Quellen zu beziehen, auch wenn sie bloß der Inspiration dienen. Denn vernetzt werden nicht nur Personen mit Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, sondern Informationen, die für die Leser wichtig sein können. Erst durch Links entfernt sich ein Blog von der oft kritisierten „Selbstdarstellungsplattform“ zur Sammelstelle für Informationen, die ihn wertvoll macht.

Nicht zuletzt dienen Links aber auch als Stütze für mich selbst. Ich kann den Fokus meines Blogs selbst bestimmen und verweise mit einem Link auf  interessante Infos, die darüber hinausgehen. Zudem meidet der Blogger durch konkrete Bezugnahme auf andere Quellen untranspartene Methoden wie „Some people say„, bekannt durch den US-Nachrichtensender Fox. Stellungnahmen zu konkreten Quellen, die transparent gemacht wurden, wirken glaubwürdiger als vage Äußerungen.

Come on, let’s link again …
Ich empfehle „normalen“ Bloggern daher trotz des Frustes über weniger Inlinks, das Verlinken weiter aufrecht zu erhalten – schon zur Gewährleistung der Qualität des eigenen Blogs. „A-Bloggern“ empfehle ich wiederum mehr Vielfalt in der Linksetzung. Blogs ermöglichen es zwar theorethisch, sich von einem einseitigen Beziehungsverhältnis zwischen Sender und Rezipient zu distanzieren – ob es gelingt, liegt an der Umsetzung durch die Mitglieder der Blogosphäre. Hier müssen vor allem die „Großen“ ansetzen und selbst mehr in die Tiefen der Blogosphäre verlinken und nicht nur an der ohnehin bekannten Mainstream-Oberfläche bleiben. Zugegeben, es ist leichter gesagt als getan.

Ich zitiere hierzu nochmals die Podcasterin, die die Perspektive der kleineren Blogger mit einfachen Worten auf den Punkt gebracht hat:

„Ja, es wird weniger direkt in Blogs verlinkt. Nein, das ist nicht traurig. Weil: die Verlinkung verlagert sich und nimmt zu. Und auch die kleinen Blogs kommen dran, nicht nur die ohnehin vernetzten. Gut also.“

Ich denke, dass ein Linkschwund Bloggern mit hoher Autorität noch am ehesten auffällt, denn viele kleinere Blogger bekommen jetzt vermutlich auf Twitter mehr Aufmerksamkeit als in ihren Blogs. Seien es bloß Retweets oder Follow-Friday-Empfehlungen, so sind das doch „Schulterklopfsignale“, die so manch eitlem User in seinem Blog abgehen. Sie zeigen ihm – wenn auch oft nur scheinbar – dass er im Netzwerkdschungel wahrgenommen wird.

Update am 4. Februar 2010: 23 Links, die es wert sind, angeklickt zu werden – die weiteren Beiträge zur Blogparade:

Hannes Offenbacher: Bitte verlinken sie diesen Beitrag in ihrem Blog
Kurt Schwab: Linkkultur
Dominik Leitner: Zeig mir deine Links, und ich sag dir…
Heinz Peter Wallner: Ist Bloggen eine Kunst? Ein Beitrag zur Linkkultur
Susanne Mandl: Die Link-Kultur lebt. Sie wohnt nur woanders.
Frank Hübner: Moderne Linkkultur
Wolfgang Tonninger: Lasst uns nicht allein!
Martin Prechelmacher: To link or not to link…
Daniel Imrich: Ein paar Gedanken zum Thema Links
Marcus Ambrosch: Qualität & Wertschätzung virtueller Wissensarbeit
Robert Lender: Blog Parade Linkkultur
Richard Haderer: Brauchst du Link?
Winfried Huber: Links, Zwo, Drei, Vier
Walter Krivanek: Link-Kultur
Anabella Lamprecht: Von einer Link Kultur zu Datawell
Andreas Lindinger: Frage zum Sonntag: Worunter leidet die Linkkultur in (grünen) Politikblogs?
Teresa Hammerl: freedom of opinion
Martin Sauer: Rettet die Trackbacks!
Meral Akin-Hecke: Blogtail & Blogparade zur Linkkultur
Michaela Ambos: Das langsame Verschwinden der Verlinkungen
Armin Soyka: Mit 100.000 Klicks jemand werden
Stefan Mey: Where have all the Bloggers gone?
Manuel Gruber: Ey Mann, wo sind die Links?

Written by ilosweb2null

1. Februar 2010 um 12:50

12 Antworten

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  2. […] Ilda Osmancevic: Die Ära der Linkkulturbanausen? […]

  3. […] in (grünen) Politikblogs? Teresa Hammerl: freedom of opinion Martin Sauer: Rettet die Trackbacks! Ilda Osmancevic: Die Ära der Linkkulturbanausen? Meral Akin-Hecke: Blogtail & Blogparade zur Linkkultur Michaela Ambos: Das langsame […]

  4. […] Drei, Vier Anabella Lamprecht: Von einer Link Kultur zu Datawell Teresa Hammerl: freedom of opinion Ilda Osmancevic: Die Ära der Linkkulturbanausen? Michaela Ambos: Das langsame Verschwinden der Verlinkungen Stefan Mey: Where have all the Bloggers […]

    Brauchst du Link? | hdrr.at

    4. Februar 2010 at 14:18

  5. […] in (grünen) Politikblogs? Teresa Hammerl: freedom of opinion Martin Sauer: Rettet die Trackbacks! Ilda Osmancevic: Die Ära der Linkkulturbanausen? Meral Akin-Hecke: Blogtail & Blogparade zur Linkkultur Michaela Ambos: Das langsame […]

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  10. […] Ilda Osmancevic: Die Ära der Linkkulturbanausen? […]

  11. […] Teresa Ham­merl: free­dom of opin­ion Mar­tin Sauer: Ret­tet die Track­backs! Ilda Osman­ce­vic: Die Ära der Linkkul­tur­banau­sen? Meral Akin-Hecke: Blog­tail & Blog­pa­rade zur Linkkul­tur Michaela Ambos: Das langsame […]


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