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Archive for Februar 2010

Oe2020.at – mehr Partizipation oder neue Mitmach-Illusion?

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In meinem Blogeintrag „Wähler im Web 2.0: Beduinen ohne Chance auf Klimaanlagen“ beschrieb ich anhand einer Metapher das Problem der scheinbar gegebenen Partizipationsmöglichkeit, die auf das Umfeld abseits der Online-Plattformen kaum eine Auswirkung hat.

Am Freitag, 26. Februar, geht die Internetplattform zur SPÖ-Initiative „Österreich 2020“ online: (www.oe2020.at) – Neue Hoffnung für die Wähler im Web 2.0, als Diskussionspartner einer politischen Partei auch wirklich ernst genommen zu werden. Gemeinsam mit 19 anderen Web-2.0-Vertretern durfte ich die Plattform 2 Tage vorab testen. Hier ein paar erste Eindrücke:

Design & Aufbau: Stimmiges Design mit 2 Farbakzenten – ein rot-grauer Faden, der sich durch den gesamten Online-Auftritt zieht. Einfacher Aufbau, der die Orientierung erleichtert und beim Klick-Sparen hilft. Lediglich die „Tagroll“ (gelistete Tags) ist noch etwas gewöhnungsbedürftig. Tagcloud-Fans, die ohne die Wolke nicht leben können, klicken dann aber einfach ins erweiterte Tag-Verzeichnis „alle tags“ und finden hier dann Altbewährtes.

Mein Fazit: ✔ Die Seite entspricht dem Motto „weniger ist mehr“ und unterstützt mit ihrem einfachen Design und Aufbau die Nutzerfreundlichkeit.

Oe2020

Diskursgruppen: Themen

Inhalt: Im Vergleich zur Online-Kampagne mit den 120 BotschafterInnen zur EU-Wahl oder dem Web-Auftritt campa.at ist die Plattform oe2020.at offener im Sinne von geringeren technischen Zugangsbarrieren (Registrierung erleichtert zwar die Beteiligung, ist aber zur Nutzung nicht unbedingt erforderlich), aber auch im Sinne von einer größeren Offenheit gegenüber Nicht-Mitgliedern. Die Themenorientierung nimmt zu und Themengruppen bestimmen den Aufbau der Seite.

Mein Fazit:? Gute Basis für Diskussionen. Ich erhoffe mir hier daher mehr Diskurs, auch mehr Beteiligung und Einbindung der Nicht-Sympathisanten. #unibrennt hat uns gezeigt, dass die Netz-Community keineswegs politikverdrossen ist, den politischen Diskurs sucht und organisiert arbeiten kann. Von kritischen Debatten können beide Seiten profitieren, denn schließlich geht es bei diesem Online-Auftritt auch um eine gemeinsame Zukunft und damit auch positive Veränderungen, die ohne Hinterfragen bestehender Zustände nicht möglich sind.

Technische Basis für Partizipation: Die Nutzer können an unterschiedlichen Diskursgruppen mit festgelegten Themenschwerpunkten teilnehmen und an eigene Interessensgebiete angepasste Newsletter abonnieren (Wie der Newsletter dann aussieht, kann ich noch nicht sagen – auf den muss ich selbst noch warten). Artikel können mit „gefällt mir“ bewertet und kommentiert werden. Mein Favorit ist das Notepad-Modul, in dem sich registrierte Nutzer an der Diskussion zu Spezialthemen beteiligen können. Im Vergleich zu gewöhnlichen Diskussionsforen bildet das Notepad einen graphisch dargestellten, nach Themen strukturierten und damit logisch nachvollziehbaren Diskussionsstrang:

Notepad

Mein Fazit: ✔? Der Nährboden für eine blühende Partizipation ist technisch gegeben. Die Pflanzen müssen aber auch gegossen werden. Die technsiche Umsetzung kann Partizipation und Mitbestimmung sehr wohl unterstützen (was sie meinem Eindruck nach hier auch macht), bildet aber nur die Grundlage.

„If democracy is understood as the production of information by all that has no significant political effects and leaves dominant power structures untouched, then an ideological way of legitimating existing modes of domination is present. Everybody can then voice her or his opinion on the Web, but nobody will care about it because the real decisions are still taken by the elite groups. The information produced then constitutes an endless flood of data, but not significant political voices.“ (Fuchs 2009, S. 83: http://fuchs.icts.sbg.ac.at/ICTS_EJC.pdf)

Hier sind die Beteiligten (User-Seite und v.a. Partei-Seite) gefordert, gemeinsam eine wirkliche Partizipationsplattform zu entwickeln. Ob und inwieweit sich oe2020.at zu einer solchen entwickeln wird, kann ich jetzt noch nicht sagen, aber sobald ich einen Eindruck gewonnen habe, gibt es in meinem Blog mehr darüber zu lesen.

Wen ich jetzt schon lobend hervorheben kann, ist Marko Zlousic (Blog / Twitter), der als Web-2.0-Verantwortlicher der SPÖ das Mitmach-Netz auch wirklich als solches nutzt und selbst aktiv in die Debatten der Netz-Community eingebunden ist. Hoffentlich gibt es seitens der SPÖ bald mehr davon. Ich bedanke mich für die Chance, oe2020.at vorab testen zu dürfen und empfehle dazu gleich den Blogeintrag von Thomas Knapp, der die Seite ebenfalls getestet hat und bei der Website-Beschreibung deutlich mehr in die Tiefe geht: Holt die SPÖ ins 21. Jh., ihr Webauftritt ist schon da.

Nicht vergessen: Morgen geht’s los: www.oe2020.at 😉

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Written by ilosweb2null

25. Februar 2010 at 12:48

Veröffentlicht in Politik

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Verliebt im Web – Am 14. Februar ist Valentinstag

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Ja, ich bin ein Valentinstagsmuffel, aber ein bisschen Kitsch-per-Klick schadet nicht. Denn mal ehrlich: Die vielen „I hate Valentine’s Day“-Gruppen auf Facebook sind mittlerweile genauso abgeschmackt wie rote Marzipanrosen und Pralinen in Herzform. Geben wir also Amor auch eine Chance und lassen wir ihn ein Teil der Digital Native Community werden. Vielleicht folgen ihm dann sogar die romantischen Online-Verweigerer ins Netz.

BIPA in Love

Unter dem Motto „BIPA in Love“ organisiert die Drogeriemarktkette BIPA auf Facebook ein Valentinstags-Gewinnspiel. Kreative Geschichtenerzähler können ihrer Fantasie freien Lauf lassen, denn die Aufgabe ist es, das Ende einer Geschichte zum Thema Liebe & Freundschaft zu finden. Die besten „Happy Ends“ gewinnen.

Hooligans in Love – What do you do when Valentine’s day falls on game day?

Die fußballverliebte Puma-Zielgruppe steht am Valentinstag vor einem großen Dilemma, denn Valentinstag ist Fußballsonntag. Wer am am 14. Februar weder die Freundin noch die Fußballfreunde im Stich lassen möchte, stimmt im PUMA Hardchorus mit ein: „I’ll be your dream, I’ll be your wish, I’ll be your fantasy …“

Valentinstag – der kitschige Internetauftritt zum Film

Die englischsprachige Facebook-Seite zum Film „Valentinstag“ ist zu einer Spaßplattform für Freunde der kitschigen Romantik geworden. Hier ein kleiner Auszug der Facebook-Applications und der anderen Social Media Auftritte:

Die Google-Suche nach der großen Liebe

7 Tage vor dem Tag der Liebenden wirbt Google in der Super-Bowl-Pause mit ungewohnter Romantik. Das Motto: „Parisian Love“ – die Google-Suche nach der großen Liebe in Paris.

Wäre die Liebe bloß so einfach wie die vorgestellten Suchfunktionen … Aber das ist ja das Spannende am Leben abseits der Google-Welt. In diesem Sinne, einen schönen Valentinstag an alle Verliebten und an jene, die noch auf der Suche sind – mit oder ohne Google-Eingabefeld. 😉

Written by ilosweb2null

9. Februar 2010 at 18:10

Die Ära der Linkkulturbanausen?

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Am 3. Februar findet in Wien der Blogtail #9 statt, diesmal mit einer Blog-Parade im Vorfeld. Das vorgegebene Thema dreht sich um die abnehmende Link-Kultur in Blogs:

Wir leben in einer Zeit, in der Aufmerksamkeit als Währung dient und Links ein wertvolles Gut sind. In der Blogosphäre übernehmen sie die Rolle eines Verkehrsnetzwerkes, das Leser zu weiteren Informationen und Wissen hilft indem es Verbindungen zwischen den Beiträgen erzeugt. Dennoch hat die Kultur des Verlinkens unter Bloggern abgenommen.

  • Worin siehst Du die Gründe für die Abnahme der Verlinkungen?
  • Welche Folgen ergeben sich daraus für uns als Blogger?
  • Wie gehst Du in Deinem Blog mit Verlinkungen und Blogroll um?
  • Was können wir für ein Wiederbeleben einer aktiven Link-Kultur tun?

Did Twitter kill the blog link?
Zunächst sehe ich Links nicht vom Aussterben bedroht, sondern schließe mich den Blogparade-Beiträgen von VividVisions und Podcasterin darin an, dass sich die Linkstruktur zunehmend auf andere Dienste wie Twitter verteilt. Viele Empfehlungen lassen sich beispielsweise schon in 140 Zeichen verbreiten, warum also einen eigenen Blogeintrag dafür starten? Für ein Thema, das uns besonders am Herzen liegt, das vielleicht auch etwas komplexer ist und deshalb zu schade für knappe Tweets, nehmen wir uns dann mehr Zeit und schreiben einen Blogeintrag dazu. Die Frage ist nun: Enthält dieser Blogeintrag dann Links zu anderen Einträgen bzw. Webseiten oder lediglich ein statisches Statement aus der Sicht des Bloggers?

Unabhängig davon, ob Blogeinträge mit der steigenden der Anzahl der Tweets sinken, frage ich mich: Was bewegt Blogger jetzt dazu in ihren Einträgen weniger Links zu setzen als in der Anfangsphase des Bloggens? Ich glaube nämlich nicht, dass es bloß der Link-Umzug ist, der Bloglinks verschwinden lässt. Immerhin fallen mit dem Umzug ja nicht nur Links, sondern auch Blogeinträge weg. Meine Vermutung ist vielmehr, dass die Abnahme der Linkkultur unter anderem  auch durch die Struktur der deutschsprachigen Blogosphäre ausgelöst wurde. Eine Bestätigung kann ich vorerst nicht liefern, da dazu eine detaillierte Analyse der Struktur notwendig ist, aber zumindest meine Gründe als Anregung für eine genauere Analyse.
(Hinweis: Ich spreche hier gezielt von der deutschsprachigen Blogosphäre, da sie doch eine andere Größe hat und anders strukturiert ist als z.B. die amerikanische und französische und ich zu wenige Informationen darüber habe, wie die Link-Entwicklung im internationalen Vergleich aussieht)

Linkverdrossenheit im Long Tail: „Ohne Inlinks, keine Outlinks!“
In unserem Raum bildet die Blogosphäre sehr wenige stark vernetzte Knotenpunkte mit einer hohen Autorität. Diese oft verlinkten Blogs entsprechen nur zum Teil der ursprünglichen Definition des A-List-Bloggers, da ein A-List-Blogger nicht nur häufig in anderen Blogs zitiert wird, sondern auch selbst als Sammelstelle für Informationen (auch aus kleineren Blogs) dient und diese zusammenfasst. Das setzt somit voraus, dass ein Blogger einerseits viele Inlinks bekommt, andererseits auch selbst viele Outlinks setzt. Die deutschsprachige Blogosphäre ist jedoch großteils anders strukturiert. Hier bekommen Blogs mit hoher Autorität viele Inlinks von außen, setzen Outlinks aber fast ausschließlich untereinander. Es entsteht eine Art Elite und damit wieder eine einseitige Beziehung, die vergleichbar ist mit jener zwischen Sender und Rezipient in den klassischen Medien. Die große Mehrheit bildet den „Long Tail“ der Blogosphäre, der wenig Aufmerksamkeit bekommt. Hierzu empfehle ich eine interessante Studie in den Media-Perspektiven mit der Frage nach der „Egalität in der Blogosphäre“ ab Seite 108.

Ausgehend von der Annahme, dass die „digital Reputation“ das wichtigste Gut für Blogger ist, aber ohne genügend Aufmerksamkeit nicht zu erreichen ist, stellt sich nun die Frage, wie solche „normalen“ Blogger nach einer langen Zeit des Verlinkens auf das Nicht-Verlinkt-Werden reagieren. Meine Vermutung ist, dass die Abnahme der Linkkultur  durchaus auch mit der Psychologie des Bloggens zusammenhängt. In jenen Blogs, in denen das Ringen um Aufmerksamkeit als Motiv besonders stark ausgeprägt war, werden möglicherweise jetzt auch weniger Links gesetzt – nach dem Motto: „Es bringt sich ja eh nix.“ Ich denke, dass das Ego des Bloggers hier eine wesentliche Rolle spielt. Ebenso wird sich auch der „How To Get More Followers on Twitter“-Hype mit der Zeit legen und es werden nur jene User aktiv weitertwittern und verlinken, die es zum Zweck des Informationsmanagements, also des Informierens und Informiert-Werdens, machen.

Noch ein Literaturtipp zum Thema „Linkstruktur der deutschsprachigen Blogosphäre“: Holler, Sebastian/Vollnhals, Sven/Faas, Thorsten (2008): Focal Points und Journalisten – Bedingungen für den Einfluss der Blogosphäre? In: Zerfaß, Ansgar/Welker, Martin/Schmidt, Jan (Hrsg.): Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web 2. Neue Schriften zur Online-Forschung, Band 2. Köln: Herbert von Halem Verlag, S. 94-111

Verlinkungsmotiv aus der Sicht einer Nicht-A-Bloggerin
Als „normale“ Bloggerin kann ich, gemessen an Inlinks, nicht mit den Großen mithalten. Mein Motiv ist aber auch ein anderes: die Aufrechterhaltung der Quellentransparenz und Informationsvielfalt. Ich finde es wichtig, mich auf konkrete Quellen zu beziehen, auch wenn sie bloß der Inspiration dienen. Denn vernetzt werden nicht nur Personen mit Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, sondern Informationen, die für die Leser wichtig sein können. Erst durch Links entfernt sich ein Blog von der oft kritisierten „Selbstdarstellungsplattform“ zur Sammelstelle für Informationen, die ihn wertvoll macht.

Nicht zuletzt dienen Links aber auch als Stütze für mich selbst. Ich kann den Fokus meines Blogs selbst bestimmen und verweise mit einem Link auf  interessante Infos, die darüber hinausgehen. Zudem meidet der Blogger durch konkrete Bezugnahme auf andere Quellen untranspartene Methoden wie „Some people say„, bekannt durch den US-Nachrichtensender Fox. Stellungnahmen zu konkreten Quellen, die transparent gemacht wurden, wirken glaubwürdiger als vage Äußerungen.

Come on, let’s link again …
Ich empfehle „normalen“ Bloggern daher trotz des Frustes über weniger Inlinks, das Verlinken weiter aufrecht zu erhalten – schon zur Gewährleistung der Qualität des eigenen Blogs. „A-Bloggern“ empfehle ich wiederum mehr Vielfalt in der Linksetzung. Blogs ermöglichen es zwar theorethisch, sich von einem einseitigen Beziehungsverhältnis zwischen Sender und Rezipient zu distanzieren – ob es gelingt, liegt an der Umsetzung durch die Mitglieder der Blogosphäre. Hier müssen vor allem die „Großen“ ansetzen und selbst mehr in die Tiefen der Blogosphäre verlinken und nicht nur an der ohnehin bekannten Mainstream-Oberfläche bleiben. Zugegeben, es ist leichter gesagt als getan.

Ich zitiere hierzu nochmals die Podcasterin, die die Perspektive der kleineren Blogger mit einfachen Worten auf den Punkt gebracht hat:

„Ja, es wird weniger direkt in Blogs verlinkt. Nein, das ist nicht traurig. Weil: die Verlinkung verlagert sich und nimmt zu. Und auch die kleinen Blogs kommen dran, nicht nur die ohnehin vernetzten. Gut also.“

Ich denke, dass ein Linkschwund Bloggern mit hoher Autorität noch am ehesten auffällt, denn viele kleinere Blogger bekommen jetzt vermutlich auf Twitter mehr Aufmerksamkeit als in ihren Blogs. Seien es bloß Retweets oder Follow-Friday-Empfehlungen, so sind das doch „Schulterklopfsignale“, die so manch eitlem User in seinem Blog abgehen. Sie zeigen ihm – wenn auch oft nur scheinbar – dass er im Netzwerkdschungel wahrgenommen wird.

Update am 4. Februar 2010: 23 Links, die es wert sind, angeklickt zu werden – die weiteren Beiträge zur Blogparade:

Hannes Offenbacher: Bitte verlinken sie diesen Beitrag in ihrem Blog
Kurt Schwab: Linkkultur
Dominik Leitner: Zeig mir deine Links, und ich sag dir…
Heinz Peter Wallner: Ist Bloggen eine Kunst? Ein Beitrag zur Linkkultur
Susanne Mandl: Die Link-Kultur lebt. Sie wohnt nur woanders.
Frank Hübner: Moderne Linkkultur
Wolfgang Tonninger: Lasst uns nicht allein!
Martin Prechelmacher: To link or not to link…
Daniel Imrich: Ein paar Gedanken zum Thema Links
Marcus Ambrosch: Qualität & Wertschätzung virtueller Wissensarbeit
Robert Lender: Blog Parade Linkkultur
Richard Haderer: Brauchst du Link?
Winfried Huber: Links, Zwo, Drei, Vier
Walter Krivanek: Link-Kultur
Anabella Lamprecht: Von einer Link Kultur zu Datawell
Andreas Lindinger: Frage zum Sonntag: Worunter leidet die Linkkultur in (grünen) Politikblogs?
Teresa Hammerl: freedom of opinion
Martin Sauer: Rettet die Trackbacks!
Meral Akin-Hecke: Blogtail & Blogparade zur Linkkultur
Michaela Ambos: Das langsame Verschwinden der Verlinkungen
Armin Soyka: Mit 100.000 Klicks jemand werden
Stefan Mey: Where have all the Bloggers gone?
Manuel Gruber: Ey Mann, wo sind die Links?

Written by ilosweb2null

1. Februar 2010 at 12:50