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Diplomanden-Crowdsourcing auf Facebook

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Crowdsourcing, die kollektive Intelligenz, gemeinsame Ideen- und Lösungsfindung, die schneller zum Ziel führen und viele andere großartige Möglichkeiten, die das Web 2.0 jetzt noch verspricht, scheint manchmal der Mythos eines neuen Mediums zu sein, der mit der Zeit untergeht.

In den letzten 2 Monaten erkannte ich aber selbst die Kraft, die in der kollektiven Nutzung von Social Software liegt. Am 2. Oktober gaben zahlreiche Studienkollegen und ich unsere Diplomarbeiten ab. Und wir durften uns erstmals  bei Facebook als Plattform für den produktiven Austausch zwischen Gleichgesinnten bedanken.

Jeder schrieb seine Diplomarbeit selbstständig für sich (d.h. nein, es wurden keine Diplomarbeiten mittels kollektiver Beteiligung in Kommentaren verfasst und man wird Facebook auch nie für solche Zwecke nutzen können). Doch Ungewissheiten zu den Rahmenbedingungen, zur Formatierung, Zitierweise und ähnlichen Fragen wurden durch die Möglichkeit eines kollektiven Rapid-Response beseitigt. Auf eine Frage folgten in wenigen Sekunden und Minuten bereits mehrere Antworten. Unstimmigkeiten in den Antworten wurden erneut innerhalb der Antworteschleife abgestimmt. Es kam zu einer Lösung.

Hier kommt die Kraft der kollektiven Intelligenz zur Geltung. Eine Diplomandin stellt im Status-Update eine Frage  zur Zitierweise. Und schon kommen die ersten Antworten. Alle glauben richtig zu liegen, dennoch gibt es Abweichungen. Diese werden dann bereinigt, indem geklärt wird, welche Zitierweise an der FH St. Pölten  bevorzugt wird. So erhält nicht nur die fragende Diplomandin eine Antwort, sondern auch jene Antwortenden, die zuvor glaubten, richtig zu liegen und nun doch etwas ändern mussten. So profitiert jeder vom virtuellen Austausch in der Gruppe.

Was oft kritisiert wird, ist der Verlust der Kontrolle über die eigenen Ideen, die andere übernehmen und verbreiten könnten. In unserem Beispiel hat sich jedoch etwas anderes gezeigt. Es wurden Bausteine gelegt, damit jeder die gleiche Ausgangsposition für die Ideenfindung hat. Die Bausteine sind formale Kriterien. Der Schreibstil, die eigentliche Ideen- und Lösungsfindung, die Argumentation gehören dagegen jedem einzelnen. Jeder hatte ein Interesse daran, dass seine „Teammitgleader“ mit ihrem Ergebnis einen Erfolg haben und wusste gleichzeitig, dass es ein anderes Ergebnis sein wird als das eigene, aber bestimmte Bausteine – die formalen Kriterien – werden die gleichen sein. Die Diplomanden halfen einander durch gemeinsames „Krisenmanagement“ bei Problemen und Motivationsverlusten und durch Hinweise auf Anmeldungs- und Abgabetermine und sonstige Deadlines & Reminder. Zum Beispiel las ich am Tag vor der Abgabe folgendes Status-Update einer Freundin: „… Nur so als Reminder: Sammelzeugnisse bei der Abgabe morgen nicht vergessen!“

So wichtig es ist, Euphorien über neue technologische Entwicklungen kritisch gegenüberzustehen, so sehr muss man zugeben: Mit Telefonaten und E-Mails wären solche kollektiven Prozesse kaum möglich oder zumindest sehr mühsam gewesen. Und je größer der Aufwand, desto geringer die Motivation, mitzumachen.

Written by ilosweb2null

5. Oktober 2009 um 11:10

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