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Der Sprung ins kalte Wasser: Politiker im Web 2.0

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„Wenn die anderen von einer Brücke springen, dann springe ich auch.“ Doch für Politiker können Twitter & Co. einen unerwarteten Sprung ins kalte Wasser bedeuten. Wer die Chancen des Web 2.0 nutzen will, muss seine Risiken kennen. Und mit denen werden viele Politiker erst dann konfrontiert, wenn es zu spät ist.

Sprung ins Kalte Wasser

Bridge Jumping by johnmcteague @flickr

5 Grundregeln für Politik im Web 2.0
…. und was passieren kann, wenn man sie nicht beachtet.

1. BE YOURSELF! – eine Floskel die im Web 2.0 durchaus Sinn macht.

Wer das Social Web nutzen möchte, um dem Wähler näher zu kommen und um Vertrauen zu gewinnen, muss sich schon selbst an die Tastatur setzen. Den Assistenten oder Kommunikations-Experten schickt immerhin auch niemand ins TV, um – als Wahlkandidat verkleidet – vor dem Publikum zu sprechen. Noch viel mühsamer als selbst zu twittern ist es zu verbergen, dass hinter dem Twitter-Profil jemand anders steckt. Der österreichische ÖVP-Politiker Wilhelm Molterer hatte mit seinem Versteckspiel zumindest keinen Erfolg und wurde ertappt: Molterer hielt gerade eine Rede im Parlament, als ein Twitter-Beitrag bei seinen Followers einlangte. Beeindruckendes Multitasking Molterers oder peinlicher Fehler seines Online-Doubles?

2. DON’T MESS WITH THE BLOGGERS! – Wenn es der bloggende David mit dem Goliath aus der Politik zu tun bekommt, mobilisiert sich die Blogosphäre gerne zur Unterstützung.

„Angriff ist die beste Verteidigung.“ – NICHT für Politiker im Web 2.0! Nachdem ein Blogger der SPD-Politikerin Hannelore Kraft einen geschönten Lebenslauf vorgeworfen hat, kontert diese mit einer Klage und sorgt für Gesprächsstoff in der deutschen Blogosphäre. Die Solidarität gilt großteils dem „kleinen“ Blogger. Kraft dürfte sich zwar über gesteigerte Medienpräsenz freuen, mit Schlagzeilen wie diesen zieht jedoch niemand gerne in den Online-Wahlkampf: „Lücke im Lebenslauf: SPD-Politikerin geht gegen Blogger juristisch vor“ (Welt) oder „Angeblich geschönter Lebenslauf: SPD-Politikerin erzürnt Blogosphäre“ (Spiegel Netzwelt). FAZIT: Mehr Diplomatie im Umgang mit Bloggern = weniger Ärger.

3. WIE MAN INS WEB HINEINRUFT … so schallt es heraus. Vorsicht vor dem Boomerang-Effekt!

Negative Campaigning im Web 2.0 wird schnell zum eigenen Stolperstein. Davon kann auch John McCain ein Lied singen – und zwar „Can’t Take My Eyes Off You“ von Frankie Vallie. Den Song nutzte McCain zur musikalischen Untermalung eines Wahlkampf-Spots, der sich gegen Barack Obama richtete. Weil er dafür aber keine Lizenz erworben hatte, ließ Warner Music das Video von YouTube entfernen. Die Ironie dahinter: McCain gilt selbst als Verfechter strenger Urheberrechtsgesetze. Auf Eigentore wie diese freut sich der Gegner – besonders, wenn sie aus einer Negativ-Kampagne hervorgehen.

4. WAS OBAMA-GIRL DARF … darf ein Obama noch lange nicht!

Skurrile YouTube-Auftritte wie der von Obama-Girl gehören zwar zum unterhaltsamen YouTube-Kult. Der Politiker selbst sollte jedoch von derartigen Show-Einlagen Abstand nehmen. Und in Krisenzeiten verstehen die sonst lockeren Onliner dann auch keinen Spaß mehr – z.B. wenn Arnold Schwarzenegger auf Twitter seinen Galgenhumor zum Besten gibt. In Arnies Heimat Österreich startet zwar ein rechter Politiker als Rapper durch und punktet damit scheinbar bei seiner Zielgruppe, darf aber nicht erwarten, auch ernst genommen zu werden.

5.  PRESSETEXT + COPY PASTE = GÄÄÄHN!

Twitter macht es klar und deutlich: 140 Zeichen = kein Platz für Pressetexte! Kurz, knackig und authentisch soll die Botschaft werden, speziell an den Microblogging-Dienst angepasst. Ebenso sind auch Facebook und Blogs eigenständige Plattformen zur Kommunikation mit dem Wähler und kein Ablageplatz für bereits veröffentlichte Nachrichten. Wer nur Pressetexte veröffentlicht, bleibt vom viralen Effekt unberührt – wer dagegen regelmäßig neue, interessante Beiträge postet, wird auch weiterempfohlen. So lese ich als Userin zum Beispiel gerne den Blog von Christoph Chorherr (Die Grünen, Österreich) und verlinke ihn jetzt in meinem Beitrag.

Written by ilosweb2null

28. Juli 2009 um 04:28

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