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Jammerkultur boomt im französischen Netz

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„Heute hat mich meine Freundin wegen einem Typen verlassen, den sie auf World of Warcraft kennengelernt hat. VDM“

„Vie de merde“ (dt. Scheißleben) ist der Name einer französischen Online-Erfolgsstory, die sich aus den alltäglichen Misserfolgen ihrer User nährt. Der verlassene Freund, die betrogene Ehefrau, die 45-jährige männliche Jungfrau – sie alle haben ein gemeinsames Bedürfnis: die Peinlichkeiten und Krisen ihres Alltags mit der ganzen Welt zu teilen. Und die liest gespannt mit.

Schon vor einem Jahr schrieb Der Spiegel Online im Artikel „Meine Freundin hat die Katze geköpft“ über den Web-Trend aus Frankreich. Die im Januar 2008 gegründete Webseite erfreut sich aber noch immer an großer Beliebtheit und an den Krisen ihrer Besucher. Täglich reden sich neue Unglücksraben den Kummer von der Seele und hoffen auf rege Teilnahme an ihrem Leid. Die User stimmen dann ab und kommentieren: Verdient der Klagende wirklich mein Mitleid oder hat er keine Ahnung davon, was wirkliche Alltagskrisen sind?

Ein Fehlkauf bei fnac würde zum Beispiel wohl kaum genügen, um in „Le Top“ zu kommen. Da sollte man sich lieber an ein anderes Publikum richten, das „Vie de Merde“-Gründer Maxime Valette in seinem zweiten Beschwerdeprojekt mobilisiert hat: www.jesuisencolere.com – für alle verärgerten Konsumenten, die ihre Wut über das gekaufte Produkt oder schlechten Service loswerden wollen.

Eine neue Marke wird vor der Kritik vielleicht verschont bleiben, denn die spricht den krisengeplagten Franzosen aus der Seele: FUCKLACRISE. Die Jungunternehmerin Lucile Merra lies sich von der weltweiten Krise inspirieren und hat mit ihrer Marke einen kreativen Weg aus der schlechten Wirtschaftslage heraus gewählt. Auf fucklacrise.com kann die junge Zielgruppe der FLC-Community beitreten und mit T-Shirt-Käufen die französische Wirtschaft ankurbeln. (Danke @ Davor für den Link!)

Written by ilosweb2null

20. Mai 2009 um 12:45

2 Antworten

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  1. Geile Idee. Das ist doch mal wahres Understatement!
    Man verdient Geld mit dem Unrat der geldgeilen Gesellschaft. Muss mir auch ein T-Shirt kaufen. Weiss nur nicht wie. Kann kein Französisch😦

    Sonja Umbach

    2. Juni 2009 at 14:06

    • Ja, die Idee ist genial, aber die Umsetzung noch etwas User-„unfreundlich“. Selbst mit Französisch-Kenntnissen ist man da etwas orientierungslos. Der Kauf würde dann so laufen: Du wählst ein T-Shirt-Motiv, z.B. I Love La Crise: http://www.fucklacrise.com/?p=48, wählst dann unter dem Bild rechts deine Größe (Achtung: Französische Mode immer eine Nummer größer kaufen!) und dann kommst du mit dem Klick auf den „Acheter“-Button schon zur Zahlung. Dort wählst du bei Pays (Land) Allemagne aus und dann erscheint das Menü ohnehin auf Deutsch.

      ilosweb2null

      4. Juni 2009 at 10:03


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