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Archive for the ‘Blogs’ Category

Shitstormwarnung Stärke 6

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Liebe Leser, ich entschuldige mich gleich vorab für den häufigen Gebrauch eines englischen Schimpfworts im folgenden Blogeintrag. 

Quelle: www.feinheit.ch

Shitstorm-Skala / Quelle: http://www.feinheit.ch

Shitstorms sind längst kein neues Phänomen mehr, doch dieser Sommer verlief im Internet besonders stürmisch. Die turbulente Wetterlage steht auf der Online-Medienagenda deshalb ganz oben: Fachmedien warnen vor schlechter Vorbereitung der betroffenen Unternehmen (z.B. ZDNet /golem.de / silicon.de), Blogger kritisieren ihren Umgang mit der Online-Community und genervte User fordern in ihren Kommentaren mehr Relevanz in der Online-Berichterstattung.

Der aufgehaltene Auslauf eines “rassistischen Adidas-Schuhs”

Im Juni sorgte ein rassistisch anmutender Adidas-Schuh mit Fußketten für Empörung im Web und verschwand deshalb wieder schnell vom Markt. Unnötige Aufruhr? Ein Schuh an sich ist ja nicht rassistisch. Wenn aber seine Aufmachung Erinnerungen an die Fußfesseln zur Zeit der Sklavarei weckt, dann steht er symbolisch für das menschliche Leid durch Rassismus, egal ob beabsichtigt oder nicht. Das Beispiel zeigt die hohe Empfindsamkeit der Online-Community im Bezug auf Ethik und ihre gnadenlose Abrechnung bei Missachtung ethischer Prinzipien in Wirtschaft, Politik und Medien. Letztendlich schützt ihre scharfe Beobachtung und schnelle Reaktion davor, dass große und kleine Fehltritte salonfähig werden.

Der böse Zwilling des sachlichen Diskurses

Er recherchiert, überlegt, wiegt ab, kritisiert konstruktiv und achtet darauf, keinen Teilnehmer persönlich zu verletzen. Alles im Dienste der guten Werte wie Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Toleranz. Erfolge lassen auf sich warten, denn der sachliche Diskurs hat es schwer, sich das Gehör der Masse zu verschaffen. Und dann kommt auch noch der Shitstorm und stiehlt ihm mit seiner polarisierenden Art die Show, macht Schlagzeilen und zwingt große Player in die Knie. Ist die derbe, herausgekotzte Kritik wirksamer? Wenn es um kleine Etappensiege geht, dann vermutlich schon, denn der Shitstorm bekommt in kurzer Zeit große Aufmerksamkeit und lockt deshalb auch den Kritisierten schneller aus der Reserve. Mit den großen Zielen hat er es allerdings schwer. Wer zum Start gleich so viel Gas gibt, dem geht auf langen Strecken dann doch die Luft aus.

Kurz und heftig vs. gemäßigt und langfristig

Der Schuh mit Fußketten war schnell wieder weg vom Markt und ebenso zeigte im Jahr 2009 die Kritik an einer geschmacklosen Photoshop-Manipulation von Microsoft Polen schnell Wirkung. Im realen Alltag lassen sich Intoleranz, Diskriminierung und Rassismus leider nicht so schnell verwerfen wie ein misslungenes Markenprodukt oder eine Kampagne. Den Platz des retuschierten Schwarzen würde statistisch gesehen ein Weißer besetzen. Hier muss die Kritik weitergehen und Chancengleichheit im Berufsleben gefordert werden. Die Thematik ist allerdings zu komplex, um über wütende Postings abgehandelt zu werden. Sie fordert einen langfristig angelegten, kritischen Diskurs, aber ein Shitstorm kann der entscheidende Auslöser für eine neu entfacht Diskussion sein.

Zum Blogeintrag über den “Galileo-Shitstorm” postete eine Userin:

“Eigentlich sehr traurig, dass man immer mit “Kacke” werfen muss, um wahrgenommen zu werden.”

Da gebe ich ihr Recht. Allerdings muss man auch damit aufhören, wenn man ernstgenommen werden will.

À propos Galileo…

Wir haben festgestellt, dass im Shitstorm viel Kraft steckt – einerseits durch die darin enthaltenen Kraftausdrücke, andererseits durch die wütende Menge, die sich darin zu einer schlagfertigen Faust zusammenballt. Wird diese kollektive Macht missbraucht, kann beim Angriffsziel ein unverhältnismäßig hoher Schaden entstehen. Gleichzeitig kann der Shitstorm selbst geschwächt werden, wenn ihm dieselbe Netzcommunity, die ihm eine hohe Priorität eingeräumt hat, genervt den Rücken kehrt. Der Glaube an die gute Absicht geht verloren, wenn der gebilligte raue Ton zu einem menschenverachtenden übergeht oder wenn es Zweifel an der Echtheit des Shitstorms gibt. Dann muss sich der (vermeintliche) Shitstorm selbst der User- und Medienkritik stellen.

Hier noch ein paar Links zum Thema:

Written by ilosweb2null

29. August 2012 at 20:48

Halloween 2011: Erschreckendes aus dem Web

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by MikeWebkist /flickrBei Halloween ist es bei mir so wie mit dem Valentinstag. Auch wenn ich nicht mitmache, schaue ich mir dennoch gerne an, was sich die Fans des Gruselfeiertags diesmal überlegt haben. Die Ideen reichen dabei von erschreckend bis hin zu erschreckend brav. Hier ein paar Eindrücke:

Super Mario, Peach und die Angry Birds: Die Geeks, Geekettes und Gamefreaks haben zu Halloween ihren großen Spaß, wenn sie in die Rollen ihrer Lieblingsfiguren schlüpfen. Gruselig sind die Kostüme zwar nicht, aber wann hat der N64-Fan sonst im realen Leben die Gelegenheit, als Mario verkleidet seine Peach zu erobern? Der Kostümfavorit dieses Jahr sind aber wohl die Angry Birds. Zumindest hat ihnen Mashable eine eigene Slideshow gewidmet. Hier geht es zu den besten Angry-Birds-Interpretationen.

Ein Herz fürs Kochen… und andere Innereien: Wenn Lilli ihre frisch gebackenen Kunstwerke in ihrem Blog präsentiert, läuft dem Leser normalerweise das Wasser im Mund zusammen. Aber Vorsicht, die Halloween-Spezialitäten könnten euch den Appetit verderben, auch wenn sich die bloggende Kuchenbäckerin dafür nicht weniger Mühe gegeben hat als sonst. Hier ein paar Kostproben für starke Mägen.

Das grüne Android-Männchen gibt’s auch als Kürbis: CIO.com präsentiert die spuktakulären Android-Apps zum diesjährigen Halloween-Fest nach dem Motto “Android apps that range from frightening to frighteningly useless.”

Halloween-Romantik in Japan: Ein amerikanischer Expat-Blogger berichtet über den aufkommenden Halloween-Boom in Japan. Hier füllen Kürbisse und Gespenster nicht nur die Regale in Supermärkten und Spielwarengeschäften – auch die Hochzeitsindustrie wirbt mit Halloween-Romantik. Ist das Gruselfest nicht ein schöner Anlass für einen Heiratsantrag?

Written by ilosweb2null

30. Oktober 2011 at 21:02

Meisterliche Fußballanalyse für schwarze Schafe

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Die Rolle als schwarzes Schaf in Wien ist eine Ehrensache, wenn das Fußballherz für die Blackies schlägt. Und heute könnte dieses noch höher schlagen, wenn es Sturm gelingt, den Meisterteller 12 Jahre nach dem letzten Titel nach Graz zu holen. Während ich meiner Fußball-Liebe nur einen kleinen Blogeintrag widme, haben zwei andere schwarze Schafe in Wien eine wertvolle Infoquelle für ihre Artgenossen geschaffen: Sturm12.at – Fußballanalyse in schwarz-weiß.

Eine schwarz-weiße Bloganalyse der Fußballanalyse in schwarz-weiß…
Klein angefangen, nun mit größerem Kader und in meisterlicher Hochform: Als Christopher Houben und Julia Wendl 2009 den Blog ins Leben gerufen haben, wollten sie eine Alternative zur zumeist oberflächlichen Berichterstattung des Medien-Mainstreams über Sturm Graz schaffen. Eine solche Mission gelingt jedoch selten, denn neben Interesse und Passion erfordert ein starkes Alternativmedium viel Zeit und genügend Ressourcen. Die Entwicklung von Sturm12.at ist ein positives Beispiel – das heutige Ergebnis ist ein bunter Infomix mit Tiefe und ein starkes Team, das diesen gewährleistet.

Das magische Dreieck
Wer erinnert sich noch an das magische Dreieck bei Sturm? Vastic, Haas und Reinmayer … Ja, das waren noch die Goldenen Zeiten. Der damalige Erfolg ist natürlich nicht nur auf das magische Dreieck zurückzuführen, aber das Trio brachte die erforderliche Extraportion Stärke ins Spiel. Ähnlich ist es bei Sturm12.at: Es gibt keine drei Schrauben, an denen man dreht, um einen guten Blog zu gestalten. Aber Sturm12.at punktet aus meiner Saicht mit 3 Stärken, mit denen sich der Blog gut positionieren konnte:

1. Gut trainierte Talente
Wer nicht Fußball spielen kann, ist auch als Amateurspieler fehl am Platz, und wer nicht hart trainiert, wird irgendwann überholt und ausgewechselt. Bei Bloggern ist das ähnlich. Die Affinität zur redaktionellen Arbeit ist Voraussetzung für einen guten Blog, ein Ausbau der Fähigkeiten und redaktionelle Ausbildung sichern die Qualität und Weiterentwicklung. Die Sturm12-Blogger zeigen Talent und einen journalistischen Schliff. Kommentierte Pressespiegel statt Copy-Paste-Klonen, interessante Titel, sprechende Bilder und variierende journalistische Formen machen den Blog dauerhaft attraktiv. Mein persönliches Highlight: Interview mit Ivica Osim in Sarajevo.

2. Fokussiert und immer am Ball
Die Sturm12.at-Blogger sind zeitnah an der Action dran – auf dem Spielfeld und abseits des Stadions – und sorgen dafür, dass die Leser den Blog nicht nach einer kurzen Zeit der Aufmerksamkeit ins Abseits befördern. Die hohe Postingfrequenz und die schnelle Aktualisierung mit relevanten Updates bringen Dynamik ins Spiel und halten den Leser bei Laune. Ohne Fokus und Begeisterung für das Team und den Sport gelingt das alles nicht, denn sonst verliert man den Ball selbst schnell selbst aus den Augen. Und das passiert den passionierten Blacky-Fans wohl nicht so schnell.

3. Die Fans mitreißen
Was wäre ein Stadion ohne die lauten Fans – was wäre ein Blog ohne aktive Leser? Ein Verein muss seinen Beitrag leisten, um die Anhänger mitzureißen. Ebenso aktiviert Sturm12 seine Gefolgschaft auf Facebook, Twitter und direkt im Blog. Einziger Verbesserungswunsch: Noch mehr Interaktion mit den Fans!

Einen Meisterteller kann ich Sturm21.at zwar nicht überreichen, dafür aber eine Verewigung in meiner Blogroll als Online-Wertschätzung für die tolle Arbeit. Und jetzt heißt es Daumendrücken für die Blackies, die heute Abend nach 12 Jahren Durststrecke hoffentlich wieder Meister werden! Für uns, für spottende Wiener, für Ivica Osim, für …

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After-Match-Update: Der meisterliche Fußball-Blog analysiert ab sofort den Meister. Wir haben es geschafft!

Written by ilosweb2null

25. Mai 2011 at 06:31

Wiener Frühstück, Kaffeehausblogs & Twittagesskultur

Nach einer längeren Pause führt mein neuer “Blogs and the City”-Trip in meine Blogheimat, die Kaffeehaus-Kulturhauptstadt Wien.

Ende des 19. Jahrhunderts prägten Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal und andere Wiener Autoren die Kaffeehausliteratur; heute locken Wiener Cafés auch Blogger mit ihrer kreativen, intellektuellen Atmosphäre – oder zumindest mit Gratis WLAN. “Nicht zuhause und doch nicht an der frischen Luft” beschrieb Kaffeehausliterat Peter Altenberg das Zentrum seines Schaffens. Auch für Blogger oder andere Kreative bietet ein solcher vertrauter Raum abseits des eigenen Zuhauses Vorteile: Tapentenwechsel und neue Inspiration, Vertiefung einer Diskussion nach einer Tastatur-Konversation und – der wahre Lockvogel – Gaumenfreuden! Und genau um die Kombination Web und kulinarischer Genuss drehen sich die nächsten Punkte, das heißt um jene Blogger und Gastgeber, die sich den Online-Genuss zum Motto gemacht haben.

Die Frühstückerinnen
… gehen frühstücken. Und bloggen darüber. Seit ich vor kurzem über diesen Blog gestolpert bin, gehört er zu meinen Favoriten, denn als Fan des regelmäßigen Auswärts-Frühstücks mit der besten Freundin habe ich hier eine Goldgrube von unschätzbarem Wert gefunden. Immerhin 1,758 weitere Fans bedanken sich für die tollen Lokaltipps und leckeren Bildbeiträge.

Wiener Twittagesskultur
Seit meinem letzten Eintrag zum Twittagessen, in dem ich die Idee vorgestellt habe, ist mittlerweile ein Jahr vergangen. Nun kennt es fast jeder, war schon mal dabei oder hat  zumindest darüber gehört oder gelesen (Du nicht? – Dann auf twittagessen.de klicken und gleich für das nächste Twittagessen anmelden). Wien ist mittlerweile zu einer Twittagessmetropole geworden, in der sich das Twittagessen – selten zu Mittag, sondern zumeist am Abend organisiert – als Offline-Ritual unter Onlinern etabliert hat. Ich selbst habe es nach mehrmaligen Anmeldungen und anschließenden Abmeldungen noch nie zu einem Wiener Twittagessen geschafft, sondern nur die Mini-Variante in Krems erlebt. Hoffentlich klappt’s zum nächsten …ääääähm… übernächsten Twittagessen.

Und da die Wiener Tweeple gerne auswärts essen und trinken, sind sie für online-affine Gastgeber zu einer interessanten Zielgruppe geworden:

Café Reisinger’s – Klickeria statt Schickeria
Das Reisinger’s schmückt sich lieber mit Foursquare-Checkins namhafter Blogger als mit Seitenblicke-Adabeis. In Wien ist es längst kein Geheimtipp mehr und gilt als Best Practice für die Verknüpfung von Location Based Services und Gastronomiegewerbe. Das Geheimrezept  ist einfach: Der Multiplikator ist König, ebenso der Stammgast – wer also am häufigsten über Foursquare im Lokal eincheckt oder zumindest einen Tipp hinterlässt, wird mit einem Drink belohnt.  Ich selbst kenne das internetaffine Beisl nur von seiner gut gelungenen Online-Präsenz, aber in den nächsten Tagen werde ich vielleicht auch auf den Offline-Geschmack des Reisinger’s kommen.

Die Wiener Bloggerin Foxy hat bei einem Mittagessen im Reisinger’s das erfolgreiche Konzept weitergedacht und kürzlich ihre Idee vom Geekrestaurant vorgestellt.

Paolo’s – schneller Boxenstopp am Westbahnhof
Viele hungrige Pendler machen auf ihrer Odyssee bei Paolo’s einen Zwischenstopp, weil es da nicht nur die im Bahnhof übliche trockene Ciabatta mit Mozarella und Tomaten gibt, sondern warme und auch ausgefallenere Variationen wie Ciabatta mit Mozarella, Birnen, Honig und Walnüssen. Bei der Vermarktung und Entwicklung der Speisekarte setzt der Eigentümer Alexander Wacker auf Kommunikation via Facebook und Twitter. In einem Interview mit dem Wirtschaftsblatt erklärte der Gastronom kürzlich, warum er viel Wert auf den Rückkanal im Internet legt und ob und wie Kundenfeedback die Speisekarte tatsächlich beeinflusst. Die extravagante Ciabatta-Variation mit Mozarella, Birnen, Honig und Walnüssen habe ich übrigens schon probiert.  Zu empfehlen für gelantweilte Gaumen!

Update am 05. April 2011: Hab es gestern endlich zu meinem ersten Wiener Twittagessen geschafft und kenne das Reisinger’s nun auch. Beides zu empfehlen!

Written by ilosweb2null

6. März 2011 at 19:41

So fern und doch so nah – Reiseblogs im Fokus

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Istanbul, by Kıvanç Niş/Flickr

“Travel is fatal to prejudice, bigotry and narrow-mindedness” – Mark Twain

Was Mark Twain wohl über Reiseblogs gesagt hätte? Wie wertvoll kann so eine Hypertextreise für uns Leser werden?

Mit ihren lebendigen Einträgen aus der Ferne, ausgeschmückt mit farbenfrohen Fotos, lassen uns Reiseblogger an ihren Erlebnissen teilhaben, vermitteln jedoch nur soviel, wie Text, Bild und Vorstellungskraft des Lesers erfassen können. Der Anblick einer bunten Gewürzmischung auf dem Basar ist schön, das Empfinden vor Ort mit allen 5 Sinnen aber unbeschreiblich. Doch auch wenn Reiseblogs das eigene Erleben fremder Länder und Kulturen nicht ersetzen können, inspirieren sie uns vielleicht zu neuen Reisen oder zeigen uns die Orte aus anderen Blickwinkeln.

Online-Reiseführer mit Persönlichkeit
Professionelle Reiseführer mit Bloggern hinsichtlich ihrer Qualität zu vergleichen, macht für mich wenig Sinn, weil sie unterschiedliche Bedürfnisse der Leser befriedigen. Der Reiseführer hilft bei der Orientierung, beantwortet grundsätzliche Fragen und bringt einen nützlichen Überblick über interessante Sehenswürdigkeiten mit den wichtigsten Infos. Der Blogger fokussiert sich zumeist auf wenige Orte, die er persönlich interessant findet und haucht ihnen mit Anekdoten etwas Leben ein. Was darin steht, hängt von der Persönlichkeit und den Interessen des Bloggers ab. Ist er Romantiker oder Draufgänger? Lernt er gerne Sprachen? Interessiert er sich für Politik? Welche Musik hört er gerne?

Bereits bekannt und doch neu
Und gerade weil Reiseblogs die individuelle Persönlichkeit des Autoren spiegeln, ergänzen sie in manchen Fällen eigene Erlebnisse, weil sie die Reiseziele aus einer anderen Perspektive zeigen. Ich lese sehr gerne Blogeinträge zu Orten, an denen ich schon einmal gewesen bin. Dazu gehören Reiseberichte aus meiner Heimatstadt Sarajevo, die auch ich mehr als Besucherin und weniger als Bewohnerin kenne. Und dennoch nehme ich die Stadt anders wahr als Menschen, die sie zum ersten Mal besuchen und einen anderen kulturellen Hintergrund haben als ich. Mit ihren Erzählungen erweitern sie dann auch meinen Horizont. Ein gelungenes Beispiel ist der Blogeintrag von Dieter Zirnig  zu seinem Neujahrsbesuch in Sarajevo und Mostar. Wer sonst nur die Webseite der bosnischen Tourismusvereinigung kennt, wird die Städte aus einem anderen Blickwinkel kennenlernen, in Text sowie in Bild. So nett die Darstellung Bosnien-Herzegowinas als herzförmiges Land auf der Tourismuswebseite auch ist – den wahren Charme des Landes und seiner Leute fängt ein Reiseblogger zumeist besser ein.

Mut zum Andersreisen
Spannend sind Reiseberichte vor allem dann, wenn sie Erlebnisse schildern, an die man sich selbst noch nicht herangewagt hat. “Na die trauen sich was.” Auf Skepsis folgen Neugier und Bewunderung – und wer mutige Abenteurer oder Auswanderer nicht nur in TV-Dokusoaps verfolgen will, für den sind Reiseblogs eine gute Alternative. Dabei muss man gar nicht so weit reisen, um Skepsis zu begegnen. Die meisten Couchsurfer werden diese Situation kennen:

My friends look at me a mix of disbelief, skepticism and disgust on their faces. “Seriously? You’d let strangers sleep in your home, use your bathroom and leave all their germs around, and you’ll get NOTHING in return? Why would you do that?” – Elena, Bloggerin

In einem Gastbeitrag im Blog “A Travel Around The World” erklärt die Mazedonierin Elena ihre Begeisterung für Couchsurfing und schildert dessen Vorzüge, die Skeptiker vielleicht nicht kennen. Sie erzählt beispielsweise, dass sie sich durch die Augen ihrer Gäste in Plätze ihrer Heimatstadt verliebt hat, die sie zuvor kaum kannte. Sie hat die Dinge in einem anderen Licht gesehen und konnte herausfinden, was ihr am meisten an der Stadt gefällt. Wer mehr Eindrücke aus Elenas Leben als Couchsurferin gewinnen will, liest am besten den eigenen Blog des Couchsurfing-Paares Elena & Ivica: CouchLog.

Blogs für Reiseportale
Reiseblogs sind auch aus Unternehmenssicht eine gute begleitende Lösung. Reiseportale, die den Nutzern ihre eigenen Angebote oder Inhalte näher bringen wollen, können ihre Webseite mit einem Blog kombinieren, der die Reiseziele näher under die Lupe nimmt. Zumeist weniger bekannt, aber für bestimmte Zielgruppen besonders lesenswert, sind Blogs von Nischenportalen. Ein Beispiel dafür ist der Blog zum Startup Halaltrip, das sich als Reiseführer für Muslime spezialisiert hat und dementsprechend seinen Fokus auf andere Gesichtspunkte der Reiseplanung legt. Im Zentrum steht dabei das barrierefreie Reisen für Muslime unter Berücksichtigung besonderer Aspekte wie Halal-Speisen oder separater Schwimmbäder für Frauen.
Der Blog von Joobili (Timely Travel – “You Say When – We Say Where”) könnte für Veranstaltungsreisende und Festivalfreunde interessant werden, wenn die Postingfrequenz zunimmt. Bislang gibt es leider noch zu wenig Inhalt.

Da die Interessen und Reisemotive sehr individuell sind, gibt es jetzt keine Top-10-Liste meiner Lieblingsblogs, zumal sich auch meine eigenen Präferenzen laufend ändern. Ranking-Junkies empfehle ich die Travel Blog Rankings, die aus den durchschnittlichen Rankings von Alexa und Compete.com berechnet werden.

Und wohin geht eure nächste Reise? – Ich habe mir für meinen nächsten Urlaub Istanbul vorgenommen. Wer dazu ein paar gute Blogs kennt oder selbst schon einmal in Istanbul war – ich freue mich über Tipps! In diesem Sinne – Bon Blog Voyage! ;)

Written by ilosweb2null

25. Mai 2010 at 13:07

Veröffentlicht in Blogs, Reisen, Webtipps

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Happy Birthday To My Blog!

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1 Jahr ilosweb2null

Genau ein Jahr ist vergangen, seit ich hier meinen ersten Eintrag veröffentlicht habe: “Schweinegrippe in Echtzeit”. Bei der Analyse von Panik-Tweets über den H1N1-Virus ist es zum Glück nicht geblieben. Hier ein Überblick über die nachfolgenden Einträge:

Ein Jahr ilosweb2null:
In 9 Tagen ist MyMuttertag…

I bet I can find 1,000,000 people who hate
Jammerkultur boomt im im französischen Netz
Twittagessen am Montag um 12:30
Ohne explizite Worte …
Zur falschen Zeit am falschen Ort?
Der Sprung ins kalte Wasser: Politiker im Web 2.0
I bet I can find 1,000,000 people who can CHANGE the world
“Laafi” für alle!
Wähler im Web 2.0: Beduinen ohne Chance auf Klimaanlagen
Diplomanden-Crowdsourcing auf Facebook
Diplomarbeit: Wahlkampfkommunikation im Social Web
Witzige Social Media Kampagnen 2009
Happy Social New Year 2010!
Die Ära der Linkkulturbanausen?
Verliebt im Web – Am 14. Februar ist Valentinstag
Oe2020.at – mehr Partizipation oder neue Mitmach-Illusion?
Geeks in Pink: Gossip Girls im Netz
Musikstars aus Südosteuropa besingen ihre Facebook-Liebe

Neben dem bereits Bekannten und Sichtbaren folgen als Geburtstagsbonus zum Schluss noch fünf Hintergrundinfos und Erkenntnisse aus meinen Dashboard, das gelegentlich ein paar Überraschungen und witzige Suchinfos für mich bereit hält. (Hinweis: Kein Einsatz von Google Analytics, nur die einfache WordPress-Statistik)

1. Der beliebteste Blogeintrag ist: “Diplomarbeit: Wahlkampf im Social Web” Dazu darf ich mich unter anderem bei Marko Zlousic und Gerhard Loub für die Link-Empfehlung auf Twitter bedanken, der anscheinend viele Follower gefolgt sind.
2. Der mit Abstand beliebteste Suchbegriff ist “Tackfilm” in verschiedensten Kombinationen. Die Tackfilm-Kampagne ist außerdem Sieger der Abstimmung zur witzigsten Social Media Kampagne 2009.
3. Ich lerne nicht nur aus der Recherche Neues dazu: Durch einen Kommentar von Helge Fahrnberger bin ich auf die Aktion “Laafi” aufmerksam geworden, die mir mittlerweile  persönlich sehr am Herzen liegt. Deshalb möchte ich nochmals darauf hinweisen: Jeder kann hier zumindest einen kleinen Beitrag leisten und sei es nur der übliche Buchkauf bei Amazon.
4. Wer auf Google nach einer Anleitung sucht, wie man selbst Marzipanrosen bastelt, wird vielleicht über meinen Valentinstags-Eintrag stolpern, hier aber keine Lösung finden. Und deshalb gibt es nachträglich einen YouTube-Tipp für Suchende.
5. Kürzlich suchte jemand nach der “beduinen sängerin aus new yorker werbung” und kam dabei auf meinen Blog. Für die Person ging die Suche dann wohl weiter, denn bei meinen Beduinen geht es nämlich um Wähler im Social Web. Die Sängerin aus der New Yorker Werbung heißt übrigens Ahlem und singt “Wüste”. Den Song gibt es auf der New Yorker-Webseite als Gratis-Download. Viel Spaß!

Written by ilosweb2null

30. April 2010 at 06:54

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Geeks in Pink: Gossip Girls im Netz

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GeekGirl by S.K. (2. Klasse)

In der Serie “Gossip Girl” (2007) berichtet eine anonyme Bloggerin regelmäßig über das aufregende Leben der New Yorker High Society Teens. Erfolgreiche “Gossip Girls” aus der realen Welt sind zum Großteil schon länger im Geschäft als die fiktive Serienerzählerin und erreichen ein großes Publikum. Wenn es um die Enthüllung des Privatlebens von Stars geht (sind übrigens auch Menschen mit Recht auf Privatleben), muss ich selbst zwar oft die Augen rollen, lese aber gerne interessante Blogs aus der Kategorie Mode & Lifestyle.

Girly Geek Girls – ein Widerspruch?
Mitte Februar präsentierte Mattel auf der New Yorker Spielzeugmesse Barbies neuen Job: Sie arbeitet jetzt in der IT-Branche. Die “Geekgirl-Barbie” trägt ein T-Shirt mit Binärcode-Design, den Arbeitsweg bestreitet sie mit flachen Schuhen. Mit ihrem Notebook in Pink und den gleichen Farbakzenten an ihrem Outfit erinnert sie ein wenig an die Hauptfigur in “Natürlich Blond”, die sich in eine Welt verirrt hat, in der sie auf den ersten Blick nicht hineinzupassen scheint. Und doch zeigte das Happy End im Film auf eine witzige Art, dass es auf die Farbwahl des Outfits und der Arbeitsmittel nicht ankommt, sondern auf die Intelligenz und Persönlichkeit der Protagonistin.

Ja, wir alle lassen uns manchmal von Klischees leiten. Doch die hybriden Lebensstile von heute vereinen scheinbar Widersprüchliches und lassen wenig Platz für Schubladen. So auch die Schublade der modebewussten, aber technikfeindlichen Cosmo-Abonnentin. Vielleicht liest Frau Cosmo nämlich gerade das Wired Magazine oder TechCrunch. Vielleicht nutzt sie gerade ihr Internet Know-How, um die Welt im Web über Mode, Lifestyle und Celebrity Gossip auf dem Laufenden zu halten. Sie wird als Bloggerin wahrscheinlich wenig zu unserer politischen Meinungsbildung beitragen – dieses Informationsbedürfniss erfüllen andere Quellen – aber vielleicht verleiht sie mit ihren unterhaltsamen Einträgen unserem grauen Alltag ein bisschen Farbe. Oder sie trägt zum Hausfrieden bei, indem sie dem Kampf um die Fernbedienung an Fußballabenden ein Ende setzt …

Kicker.de + Gossip Girl = KICKETTE: Ich selbst finde ja 90 Minuten Fußball viel spannender als Cristiano Ronaldos Liebesleben, aber auch die Fußballkunst liegt im Auge des Betrachters. Kickette richtet sich an Fußballverliebte und vor allem an Fußballerverliebte im Netz und bloggt regelmäßig über das Geschehen abseits des Fußballstadions. WAGs (Wives & Girlfriends) stehen hier ebenso im Mittelpunkt wie ihre Männer. Der Ball, um den sich sonst immer alles dreht, ist Nebensache. Willst du auch wissen, welche Spielerfrau gerade die Nase voll hat und welcher Spieler deshalb nicht auf dem Transfermarkt, sondern auf dem Heiratsmarkt wieder verfügbar ist? – Dann schau bei Kickette vorbei: http://www.kickette.com/

Fashion Blogs: Sie berichten direkt vom Runway der Pariser Fashionweek, bloggen über interessante Mode-Erscheinungen auf der Straße oder haben sich auf bestimmte Nischen spezialisiert (vgl. unten “Hijab Style”). Die Liste der Mode-Blogger ist mittlerweile sehr lang, aber die starke Vernetzung der Blogs über Hyperlinks und Blogrolls macht die Suche auch für neue Leser einfach. Meine persönlichen Favoriten und gerne besuchten Adressen:

Hijab Style: Kopftuch-Stylingideen statt Kopftuchpolitik: Es ist schon etwas seltsam, dass das Kopftuch als Thema viel häufiger in Tageszeitungen in der Rubrik “Politik Inland & Ausland” zu finden ist als in Modemagazinen. Jana Kossaibati, eine Medizinstudentin aus Großbrittanien, hat mit ihrem Blog “Hijab Style” das Kopftuch auf die Medienagenda von Vogue.com gebracht. Politik steht in diesem Blog nicht zur Debatte, stattdessen diskutieren hier modebewusste Muslimas über die Hijab-Trends im Frühling und die passenden Outfits dazu.

Geek News für Geek Girls: Hast du dich auch schon einmal in ein schönes Handy verliebt, das auf den zweiten Blick nicht mehr so interessant war, weil es außer einem netten Design nicht mehr bieten konnte? Und bist du vielleicht auch im Besitz eines gut funktionierenden Gadgets, von dem du dir wünscht, es wäre etwas  kompakter und ansehnlicher? GeekSugar verknüpft News über neue Technik-Trends und Gadgets mit Aspekten der Ästhetik.

Written by ilosweb2null

8. März 2010 at 22:40

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