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…von den langen Worten und beschränkt sich ab sofort auf 140 Zeichen —– einfach folgen —-> Twitter

Written by ilosweb2null

20. Juni 2013 at 22:45

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Das Auge surft mit: Polaroid-Ästhetik im Internet

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Könnt ihr euch noch an Uboot.com erinnern? Wikipedia beschreibt es als eine “ehemals erfolgreiche, heute jedoch praktisch bedeutungslose Online-Community”. Und eine außerordentlich hässliche obendrein, möchte ich hinzufügen. Das war für eine der am schnellsten wachsenden Online-Communitys in der Zeit um die Millenium-Wende kein Hindernis. Schönheit galt damals nicht als Attribut des Internet. Als sogenanntes “Cyberspace” war es vielmehr die Schnittstelle zu einer spacigen Sci-Fi-Zukunft, markiert durch Neon-Farben, Steel-Look oder Todesstern-Optik. Ein Alptraum für Ästheten.

Ende und Rennaissance der Polaroid-Ästhetik
Das Ende der technisch reproduzierten Schönheit nach dem altmodischen Verständnis war wohl mit dem Ende des Polaroids im Jahr 2008 besiegelt. Der Sofortbild-Kamera-Hersteller gab seinen Kampf gegen die übermächtige digitale Konkurrenz auf. Teuer erzeugte Ungenauigkeit verliert gegen preisgünstige Präzision – ein vorhersehbarer Ausgang. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Digital Natives vier Jahre später nach einem Bildverarbeitungstool verrückt sind, das die hochauflösende Gegenwart in die unscharfe Polaroid-Vergangenheit zurückbeamt. Die neue Ära der Nostalgiker, Ästheten und Hipster Instagram nicht nur Instagram den Start erleichtert, sondern auch dem Polaroid ein erfolgreiches Comeback ermöglicht. Ich kann nicht sagen, was der definitive Auslöser für die Rennaissance der Polaroid-Ästhetik ist, vermute aber, dass der technische Fortschritt in der Fotografie und Bildbearbeitung eine große Rolle spielt. Während unsere Kameras immer näher an die Realität heranrücken, sehnen wir uns wieder nach den kunstvollen Momentaufnahmen im Polaroid-Modus, in denen so manches Detail verschwimmt – vielleicht auch die eine oder andere Sorgenfalte.

Latte Art

Zu schön zum Trinken

Zuerst fotografieren, dann probieren
“Noch nicht essen! Ich muss zuerst ein Foto machen”, hat meine Cousine gestern gesagt, als wir um den gedeckten Tisch zum Sonntagsbrunch gesessen sind. Und auch der Cappuccino in der Abbildung rechts hat es auf Instagram geschafft, noch bevor er gekostet wurde. Die Momentaufnahme ist zu schön, um sie mit dem ersten Schluck zu zerstören, aber gerade schön genug für die Präsentation unserer optischen Highlights des Alltags auf Facebook, Instagram und Pinterest. Gerade letzteres lebt von der Begeisterung seiner User für Stillleben. Wir klicken uns durch menschenleere Wohnzimmer im Vintage-Stil, kreative Schreibtische ohne Papierchaos und ansehnliche Kulinarik. Wenn sich ein Kaffee der Latte Art verschrieben hat statt dem Gusto, schmeckt er dem Auge wohl besser als dem Gaumen und so mancher Cupcake-Zuckerschock bleibt uns dank Foodporn erspart. Denn statt die bunten Törtchen nachzubacken, sammeln wir sie in einem Pinterest-Board namens “Yummy!” mit der Annahme, dass sie tatsächlich so schmecken wie sie aussehen und für den Fall, dass irgendwann doch die Motivation zum Backen aufkommt.

Online-Windowshopping im Polaroid-Format
Auch das Online-Shoppingerlebnis wird ansprechender und erinnert zunehmend an ausgedehntes Windowshopping auf schönen Einkaufsstraßen. So viel wir an Genuss gewinnen, verlieren wir an Zielorientierung, während wir an den unzähligen Schaufenstern vorbeiscrollen und uns durch die schöne Anmutung der Produkte inspirieren lassen. Viele Favoriten schaffen es nicht in den Warenkorb, sondern landen auf Wunschzetteln in Bildform mit dem Titel “Das will ich haben” oder “Das werde ich mir nie leisten können, aber täglich ansehen, bis es mir zu blöd ist”. Der Wandel von der Todesstern-Optik zum schönen Internet scheint vollendet, als selbst der E-Commerce-Riese Ebay seinen Lagerverkaufsstil aufgibt und in Sachen Windowshopping und Polaroid-Ästhetik mit Pinterst, Etsy, Fab & Co. mitzieht.

Blogtipp zum Thema: “Über sinn- und hirnbefreites Online-Windowshopping” von Fanfarella.

Written by ilosweb2null

28. Januar 2013 at 21:46

Guten Rutsch und frohes neues Jahr 2013!

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Frohes neues Jahr2012 – ein bewegtes Jahr steht kurz vor dem Ende. Wir scrollen durch unsere Timeline vorbei an neuen Smartphones, die mein Samsung Galaxy S I9000 zum Schmollen bringen, Fenster mit ungewöhnlich weiten Ausblicken und raufenden Internet-Riesen in Tablet-Duellen und Patent-Schlachten. Auf die Mayas aus der Mediamarkt-Werbung warten nun hohe Ratenzahlungen, denn der groß angelegte Weltuntergang fiel nicht so spektakulär aus wie Felix Baumgartners Sprung aus über 39.000 Meter Höhe.

Viele Neuankömmlinge wie finderly mit ihrem mobilen Flohmarkt Shpock, archify, autoshare.at und Spotify haben unser Shopping-, Such- und Alltagserlebnis digital bereichert. Leider habe ich bei so viel Ablenkung den guten alten Blog vernachlässigt. Mein erster guter Vorsatz lautet deshalb: “Ich nehme mir 2013 mehr Zeit fürs Bloggen.”

Es ist ein schönes Gefühl, dass ich dieses Jahr vermutlich noch mehr Menschen mit meinen Neujahrswünschen über Twitter und Facebook erreichen werde als zuvor und mich ebenfalls noch mehr Neujahrswünsche erreichen werden. Dennoch freue ich mich am meisten auf die ersten Sekunden nach 00:00 Uhr, wenn ich meine Freunde zum ersten Mal im neuen Jahr umarmen werde und dann meine Eltern zum sentimentalen Neujahrswunsch auf Bosnisch anrufe.

Ich wünsche allen einen guten Rutsch ins neue Jahr, viele neue digitale Entdeckungen, die das Leben leichter machen, aber vor allem wünsche ich euch schöne Momente mit euren Lieben!

Happy Social New Year 2013!

Written by ilosweb2null

31. Dezember 2012 at 17:57

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Printmedien und das digitale Dilemma

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Ich kaufe Zeitungen, lese sie, schätze das gut Geschriebene und rieche gerne das frisch Gedruckte. Doch nicht immer reicht die Zeit für den gemütlichen Zeitungsgenuss bei einer Tasse Kaffee. Die Zeitung leidet vor allem im Broadsheet-Format unter der Coffee-to-go-Kultur, in die sich Smartphones einfach besser integrieren lassen. Das ist jedoch nicht ihr einziges Problem und jeder Zeitungsromantiker muss sich das ehrlich eingestehen: Print bringt nicht immer einen Mehrwert. Wenn es um Aktualität und gezielte Informationssuche geht, hat das Internet einen Vorsprung und besonders dann, wenn der Informationsdienst auch noch kostenlos ist. Hier beginnt das digitale Dilemma: Kostenlos mitziehen? Bezahlmauern aufbauen? Mittels Lobbying regulierende Gesätze erwirken? Oder gibt es doch eine Mittellösung, mit der Onliner und Printverlage leben können?

“The flattening process simultaneously broke the traditional newspapers’ monopoly on classified advertising (thanks to Google), its near monopoly on written news and commentary (thanks to bloggers), and its monopoly on distribution (thanks to the Internet). The business model for newspapers has been turned on its head, and the new – survivable – hybrid model for newspapers in a flat world still has not been sorted out.” – Thomas L. Friedman, The World Is Flat (2005)

Etikett “Gratiskultur”

Das Online-Nutzungsverhalten der Digital Natives auf die Gratiskultur zu reduzieren, ist nicht gerecht und in der öffentlichen Diskussion nicht besonders geschickt. Es erinnert mich ein wenig an Mitt Romneys Patzer im US-Wahlkampf, bei dem er Obama-Wähler und somit potentielle Wähler als Schmarotzer bezeichnet hat. Sogenannte “Gratisleser” sind nämlich mögliche Abonnenten für Online-Premiumdienste, sofern für sie ein Mehrwert erkennbar ist. (Hinweis: Ein Artikel mit demselben Informationsgehalt und in derselben Qualität wie ein Gratis-Artikel auf einer anderen Webseite ist kein Mehrwert!) Jene User, die gegen strenge Copyright-Gesetze und Internetüberwachung protestieren und auf Twitter mit konservativen Vertretern aus der Medienwelt streiten, sind nämlich gleichzeitig eine wichtige Zielgruppe. Denn sie zeigen neben ihrer kritischen Haltung auch Affinität zu den (digitalen) Medien.

Paywall vs. Free Content

Solange es starke Online-Auftritte von Zeitungen ohne “Bezahlmauer” gibt, ist die Paywall für den Online-Leser keine attraktive Alternative. Es bedeutet den Verzicht auf ein vielfältiges, kostenloses Medienangebot zugunsten eines einzelnen kostenpflichtigen Mediums.

Anders sieht es bei einem Abo mit breiterem Medienangebot nach dem Vorbild der All-you-can-read-App von Next Issue aus. (gizmodo.com) Hier bietet das Abo für iPad/iPhone-User einen Zugriff auf zahlreiche Magazine der führenden Verlagshäuser, darunter Time, Vanity Fair, GQ und andere. Ich denke, dass so ein bunt gemischtes All-you-can-read-Buffet Potential hat. Auf Zeitungen lässt es sich allerdings schwer übertragen, da sie großteils die gleichen Themen abdecken. Der wahrgenommene Nutzen für den Kunden ist gering, wenn sich die Angebote im Paket nicht ausreichend ergänzen und in Summe somit keinen großen Mehrwert bieten.

Die Sonderstellung von spezialisiertem Content ist wohl auch einer der Gründe, weshalb das Paywall-Modell bei The Wall Street Journal funktioniert. Die Zielgruppe ist fachlich im Wirtschaftssektor angesiedelt, hat ein tendenziell höheres Einkommen und dementsprechend höhere Bezahlbereitschaft für Nachrichten aus der Wirtschafts- und Finanzwelt. Wieder gilt: Das Erlösmodell lässt sich schwer auf eine Tageszeitung ohne wirtschaftlichen Schwerpunkt übertragen.

Wie sieht es mit allgemeinen Beispielen aus? The New York Times setzt auf eine “Light Paywall”, die ab 10 gelesenen Artikeln im Monat gilt. Bisher gilt das Experiment als erfolgreich – somit ein anwendbares Modell für deutschsprachige überregionale Zeitungen? Im Artikel “New York Times: das falsche Pay-Vorbild” (meedia.de) erklärt Stefan Winterbauer, weshalb sich das amerikanische Paywall-Modell schwer auf den deutschsprachigen Raum übertragen lässt.

Wozu überhaupt Mauern bauen? Mail Online zeigte mit seinem starken Umsatzwachstum, dass die Bezahlmauer nicht zwingend notwendig ist, und auch The Guardian bleibt mit seiner Gratis-Strategie weiterhin im Aufwärtstrend. (guardian.co.uk) Ein weiteres positives Gratis-Beispiel ist die Zeitschrift The Atlantic, welche auf alternative Erlösquellen wie Events oder neue Werbeformen im Internet setzt. Ein Lesetipp dazu: “Five reasons why media companies should pay attention to The Atlantic” (gigaom.com) von Mathew Ingram. Die Beispiele dienen nicht unbedingt als Vorlage zum Nachmachen, sondern sollen demonstrieren, dass das Loslassen von altbewährten Prinzipien zu neuen Erfolgswegen führen kann.

Leistungsschutzrecht in Deutschland

In Deutschland sorgt das “Ja” zum Leistungsschutzrecht für Applaus bei den Zeitungsverlagen und für Empörung bei den Bloggern, online-nahen Verbänden wie dem Bitcom, Google und den Nachrichtenaggregatoren. (Heise.de) Für ein besseres Verständnis bietet Neuwal eine gute Erklärung und für die Erfassung der Pros und Contras ließ die Zeit Online Befürworter Christoph Keese und Gegner Till Kreutzer zu Wort kommen. Eine mögliche Umsetzung steht nun auch in Österreich zur Debatte. (derStandard)

Grundsätzlich verstehe ich die Sorge der Zeitungsverlage hinsichtlich der Marktmacht von Google am Online-Anzeigenmarkt und den Ansatz, Unternehmen, die sich am eigenen Content bereichern, zur Kassa zu bitten. Die bisher genannten Argumente für das Leistungsschutzrecht sind allerdings nicht hinreichend und die Folgen einer Umsetzung nicht gut durchdacht. Kritisch sind für mich unter anderem folgende Punkte:

  • Dienstleisterfrage: Ist Google tatsächlich ein Kostenlos-Nutzer oder eher ein Traffic-Lieferant? Ein Suchbeispiel: Ich möchte mich schnell über das Leistungsschutzrecht informieren, google es, klicke auf ein Snippet aus den Top 5 und lande beim Originalartikel auf der Webseite der jeweiligen Zeitung. Eine prominente Google-Platzierung, die viele User auf die Seite bringt. Andere Unternehmen zahlen für den Dienst, für den die Verlagshäuser nun Geld verlangen. Wenn das Snippet den kompletten Artikel darstellen würde und damit einen Klick auf die Webseite überflüssig machen würde, gäbe es eine andere Ausgangslage. Das ist hier aber nicht der Fall.
  • David vs. Googliath-Rhetorik: Immer wieder wird in den Argumenten für das Leistungsschutzrecht gezielt der große Google-Konzern genannt, der sich – wäre er nicht ohnehin schon so groß – auch noch am Content der Zeitungen bereichert. Dabei werden kleine Start-ups ausgeblendet, die das Leistungsschutzrecht deutlich stärker trifft. Nachrichtenaggregatoren, die von Start-ups entwickelt wurden, haben im Gegensatz zu Google nur dieses eine Standbein. Sie spielen im Internet eine wichtige Rolle, da sie Struktur und Überblick in die laufende Informationsflut bringen und somit die Nachrichtenversorgung vereinfachen.
  • Innovationsbarriere: Das Leistungsschutzrecht gefährdet neue Entwicklungen im Bereich der Nachrichtenaggregation und bildet eine Eintrittsbarriere für Start-ups, die für frischen Wind im Online-Markt sorgen. Aus internationaler Sicht ist das kein gutes Aushängeschild für Deutschland und seine Hautptstadt Berlin, die sich in den letzten Jahren zu einer europäischen Start-up-Metropole entwickelt hat. Und während das Leistungsschutzrecht den Innovationszeiger dort auf Slow Motion dreht, entstehen weltweit im Schnelltempo neue Ideen und Online-Dienste, die im Internet mit dem nationalen Angebot konkurrieren. Wie reagiert der nationale Markt auf diese neuen “Bedrohungen”? Schwerfällig mit neuen bremsenden Regulierungsmaßnahmen oder dynamisch mit Innovationen, die international mithalten können?

Innovation vs. Regulierung

Innovation und Regulierung sind keine Gegensätze, jedoch auch keine Freunde, denn regulierende Eingriffe wirken sich nachteilig auf neue Entwicklungen am Markt aus. So bringen sie vielleicht kurzfristig erwünschte Erfolge, täuschen jedoch nicht über die Realität in der Medienwirtschaft hinweg, die neue Ideen und Wachstum erfordert. Den Vorwurf, dass die Nutzugskultur im Internet anarchistisch sei und den Versuch zur Umerziehung der Digital Natives mit Strafmaßnahmen wie den Three-strikes-Verfahren kennen wir ja schon aus der Musik- und Filmindustrie. Mittlerweile wird das französische “Copyright-Strafsenat” aufgrund seiner geringen Effektivität in Frage gestellt (Heise.de), während Musik-Streaming-Dienste wie Spotify mit Freemium-Modell (werbefinanzierter Gratisdienst und werbefreie Premium-Modelle) bereits legale Alternativen für den fast unbegrenzten Musikspaß bieten. Ausgereift sind sie noch lange nicht, wie auch jüngste Zahlen zeigen (Futurezone.at), bieten jedoch mehr Potential für Innovation und Wachstum als restriktive Gesetze, die lediglich die “alte Ordnung” wiederherstellen sollen.

(aktualisiert am 01. Oktober 2012)

Written by ilosweb2null

30. September 2012 at 23:59

Shitstormwarnung Stärke 6

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Liebe Leser, ich entschuldige mich gleich vorab für den häufigen Gebrauch eines englischen Schimpfworts im folgenden Blogeintrag. 

Quelle: www.feinheit.ch

Shitstorm-Skala / Quelle: http://www.feinheit.ch

Shitstorms sind längst kein neues Phänomen mehr, doch dieser Sommer verlief im Internet besonders stürmisch. Die turbulente Wetterlage steht auf der Online-Medienagenda deshalb ganz oben: Fachmedien warnen vor schlechter Vorbereitung der betroffenen Unternehmen (z.B. ZDNet /golem.de / silicon.de), Blogger kritisieren ihren Umgang mit der Online-Community und genervte User fordern in ihren Kommentaren mehr Relevanz in der Online-Berichterstattung.

Der aufgehaltene Auslauf eines “rassistischen Adidas-Schuhs”

Im Juni sorgte ein rassistisch anmutender Adidas-Schuh mit Fußketten für Empörung im Web und verschwand deshalb wieder schnell vom Markt. Unnötige Aufruhr? Ein Schuh an sich ist ja nicht rassistisch. Wenn aber seine Aufmachung Erinnerungen an die Fußfesseln zur Zeit der Sklavarei weckt, dann steht er symbolisch für das menschliche Leid durch Rassismus, egal ob beabsichtigt oder nicht. Das Beispiel zeigt die hohe Empfindsamkeit der Online-Community im Bezug auf Ethik und ihre gnadenlose Abrechnung bei Missachtung ethischer Prinzipien in Wirtschaft, Politik und Medien. Letztendlich schützt ihre scharfe Beobachtung und schnelle Reaktion davor, dass große und kleine Fehltritte salonfähig werden.

Der böse Zwilling des sachlichen Diskurses

Er recherchiert, überlegt, wiegt ab, kritisiert konstruktiv und achtet darauf, keinen Teilnehmer persönlich zu verletzen. Alles im Dienste der guten Werte wie Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Toleranz. Erfolge lassen auf sich warten, denn der sachliche Diskurs hat es schwer, sich das Gehör der Masse zu verschaffen. Und dann kommt auch noch der Shitstorm und stiehlt ihm mit seiner polarisierenden Art die Show, macht Schlagzeilen und zwingt große Player in die Knie. Ist die derbe, herausgekotzte Kritik wirksamer? Wenn es um kleine Etappensiege geht, dann vermutlich schon, denn der Shitstorm bekommt in kurzer Zeit große Aufmerksamkeit und lockt deshalb auch den Kritisierten schneller aus der Reserve. Mit den großen Zielen hat er es allerdings schwer. Wer zum Start gleich so viel Gas gibt, dem geht auf langen Strecken dann doch die Luft aus.

Kurz und heftig vs. gemäßigt und langfristig

Der Schuh mit Fußketten war schnell wieder weg vom Markt und ebenso zeigte im Jahr 2009 die Kritik an einer geschmacklosen Photoshop-Manipulation von Microsoft Polen schnell Wirkung. Im realen Alltag lassen sich Intoleranz, Diskriminierung und Rassismus leider nicht so schnell verwerfen wie ein misslungenes Markenprodukt oder eine Kampagne. Den Platz des retuschierten Schwarzen würde statistisch gesehen ein Weißer besetzen. Hier muss die Kritik weitergehen und Chancengleichheit im Berufsleben gefordert werden. Die Thematik ist allerdings zu komplex, um über wütende Postings abgehandelt zu werden. Sie fordert einen langfristig angelegten, kritischen Diskurs, aber ein Shitstorm kann der entscheidende Auslöser für eine neu entfacht Diskussion sein.

Zum Blogeintrag über den “Galileo-Shitstorm” postete eine Userin:

“Eigentlich sehr traurig, dass man immer mit “Kacke” werfen muss, um wahrgenommen zu werden.”

Da gebe ich ihr Recht. Allerdings muss man auch damit aufhören, wenn man ernstgenommen werden will.

À propos Galileo…

Wir haben festgestellt, dass im Shitstorm viel Kraft steckt – einerseits durch die darin enthaltenen Kraftausdrücke, andererseits durch die wütende Menge, die sich darin zu einer schlagfertigen Faust zusammenballt. Wird diese kollektive Macht missbraucht, kann beim Angriffsziel ein unverhältnismäßig hoher Schaden entstehen. Gleichzeitig kann der Shitstorm selbst geschwächt werden, wenn ihm dieselbe Netzcommunity, die ihm eine hohe Priorität eingeräumt hat, genervt den Rücken kehrt. Der Glaube an die gute Absicht geht verloren, wenn der gebilligte raue Ton zu einem menschenverachtenden übergeht oder wenn es Zweifel an der Echtheit des Shitstorms gibt. Dann muss sich der (vermeintliche) Shitstorm selbst der User- und Medienkritik stellen.

Hier noch ein paar Links zum Thema:

Written by ilosweb2null

29. August 2012 at 20:48

Inspiration im Web: Such sie nicht, sie findet dich!

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Nach einer halbjährigen Blogpause melde ich mich zurück mit neuer Inspiration. Wie es mit den Musen so ist, finden wir sie selten dort, wo wir sie suchen. Wenn wir auf Google nach unserer “Muse” suchen, finden wir zunächst die gleichnamige britische Rockband. Auf Wikipedia begegnen wir Klio, Thalia und Erato aus der griechischen Mythologie. Wo verstecken sich aber die Online-Musen, die uns Bloggern, Microbloggern, Webdesignern, Grafikern und Online-Redakteuren dabei helfen, etwas Geniales zu finden, wonach wir im Web gar nicht erst gesucht haben?

Hier sind meine Lieblings-Fundgruben für interessante Webseiten, Ideen und Inspirationen:

1. StumbleUpon (www.stumbleupon.com)

Der “Stumble!”-Button ist einer meiner längsten Web-Begleiter und verdient hier deshalb einen besonderen Platz. Wie der Name verrät, lässt uns der Button über Webseiten stolpern, die wir sonst vielleicht nie entdeckt hätten. Die Ergebnisse leiten sich von unseren definierten Interessensgebieten und dem bisherigen Stumble-Verhalten (Like/Dislike) ab. Ein wichtiger Treiber ist der längere Lebenszyklus der Webseiten im Vergleich zu den geteilten Links auf Twitter oder Facebook, wie folgende Infografik zeigt. So stolpert der User hier über einiges, was auf Facebook und Twitter bereits untergegangen ist.

Und wenn die Stumble-Session mal nicht so ergiebig war, inspirieren vielleicht Interessensgruppen, die Favoriten anderer Stumbler oder Channels. Ich empfehle beim Fall in ein “Stumble-Loch” aber eine kurze Auszeit, ebenso auch bei einer zu lange anhaltenden “Stumble-Glückssträhne”, denn der Button hat Suchtpotential. Weit verbreitetes Symptom: “Noch 3 Klicks und dann ist Schluss… Ok, nur noch einmal und dann wirklich…”

2. Fubiz (www.fubiz.net)

Eine gewisse Dosis Inspiration schwebt wohl in der Pariser Luft. Und wer 8,30 € für eine Dose davon zu teuer findet, holt sich die Inspiration besser kostenlos auf dem Pariser Designportal Fubiz – ideal für den Inspirations-Snack zwischendurch. Und als Ergänzung für eine ausgewogene Inspirationseinnahme:  Abduzeedo, From up North und Art-Spire.

3. SmashingMagazine (www.smashingmagazine.com)

Das SmashingMagazine informiert und inspiriert zu Themen wie (Web) Design und Usability. Ein nettes Feature ist der monatliche Wallpaper Calendar, der uns zum regelmäßigen Tapetenwechsel auf unserem Bildschirm animiert und unsere Desktops und Köpfe vom eingeschränkten Horizont der Windows-Wiese und der Palmen-Strände auf den Seychellen befreit. Etwas weniger bekannte und dennoch empfehlenswerte Alternativen sind Design Shack und SpyreStudios.

4. Brain Pickings (www.brainpickings.org)

“Brain Pickings is a human-powered discovery engine for interestingness, culling and curating cross-disciplinary curiosity-quenchers, and separating the signal from the noise to bring you things you didn’t know you were interested in until you are.” (Brain Pickings Webseite)

Wenn die Redakteure von Brain Pickings in unseren Gehirnen herumstochern, bringen sie uns dazu, uns über Dinge Gedanken zu machen, denen wir bislang nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt haben, Selbstverständliches zu hinterfragen und Undenkbares zu durchdenken. Immer wieder begegnen wir dabei großen Persönlichkeiten wie F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway oder Salvador Dalí und holen uns aus der Vergangenheit Inspirationen für die gestalterische Gegenwart. Ein bisschen wie im Film “Midnight in Paris“, nur eben im Internet.

5. Twitter-Listen

Twitter-Listen sind ein nützliches Filter-Feature, wenn die Timeline von Social Media bis Sportergebnissen reicht. Ich sammle zum Beispiel Twitter-Profile aus dem kreativen Umfeld in meiner “Creative“-Liste. Hier sind die “Creatives” unter sich und gehen auch bei geringerer Postingfrequenz nicht so schnell unter wie in der Standard-Timeline.

6. Pinterest (www.pinterest.com)

Ähnlich wie Instagramm punktet Pinterest mit Vintage-Ästhetik und inspiriert mit der Anmutung eines altmodischen Polaroid-Bildes. Follow-Tipps: Designshack empfiehlt 200+ Pinterest Boards für Designer aller Art.

7. The 99 Percent (www.the99percent.com)

Genius is 1% inspiration and 99% perspiration” (Thomas Edison / The99Percent.com)

Die Idee ist schon geboren, wie geht es weiter? “The 99 Percent” geht davon aus, dass mit der Inspiration erst 1% der Arbeit getan ist. Entscheidend ist, wie eine Idee verwirklicht wird, und auf diesem Weg können wir uns hier nützliche Tipps holen.

8. Dribbble (www.dribbble.com)

Dribbble ist ein virtueller Schaukasten für Web-Designer und Grafiker, die zeigen wollen, was sie können und gleichzeitig für jene, die nach neuer Inspiration suchen. Die eigenen Skills in Mappen verstecken und erst beim Vorstellungsgespräch auspacken ist eben “sowas von 1.0″ – vom “Share, Show & Tell” haben dagegen alle was.

9. The Idea Swap (www.theideaswap.com)

Das Konzept von The Idea Swap: Schreibe eine Idee, die dir gerade einfällt auf das Notizblatt und tausche sie gegen die Ideen von anderen. Vielleicht bringt dich jemand vom anderen Ende der Welt auf neue Gedanken. Und wenn keine passende Idee für die eigenen Projekte dabei ist, sorgt das Glückskeks-Schema zumindest für Spaß und Auflockerung. Übrigens, ein Stück Kuchen wäre jetzt genau das Richtige… ;)

10. Stereomood (http://www.stereomood.com)

Das Auge hatte für heute schon genug, jetzt ist das Ohr dran! Das Konzept von Stereomood: Musik hören, die zur Laune, zur Situation oder als Begleitung zur jeweiligen Aktivität passt. Energisch oder melancholisch? Beim Schreiben, in der U-Bahn oder soeben erst aufgewacht? Finde deine Stereomood.

Wo sich die Inspiration sonst noch versteckt? Laut einem Artikel auf SpyreStudios.com überall, man muss der Umwelt nur mehr Aufmerksamkeit schenken. Ansonsten zeigt euch dieses Video 29 Wege, um kreativ zu bleiben.

Written by ilosweb2null

9. Juli 2012 at 23:10

Das lebenswerteste Social Network der Welt

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Der erste Tag im neuen Jahr in der “lebenswertesten Stadt der Welt”: Die kriegsähnliche Geräuschkulisse der Silvesternacht ist verstummt und wenn die Ampeln am Gürtel Rot zeigen, hört man die eigenen Schritte besonders laut über den feuchten Gehsteig treten. Irgendwie erinnert mich das an meinen Google+ Account. Hier ist es schon länger ziemlich still, sogar zu Silvester, als es auf Facebook Neujahrswünsche geregnet hat. Und obwohl Artikel mit Titeln wie “Ten Reasons Why Google+ Will Beat Facebook” insgeheim Google+ zum lebenswertesten Social Network der Welt gekürt haben, ist die große Völkerwanderung von Facebook zu Google+ bislang noch ausgeblieben.

Der unentschlüsselbare Social Code

Warum mich die Pro-Google-Plus-Artikel, die ich bisher gelesen habe, an die Mercer-Studie erinnern? Sie klammern sich in ihren Argumenten an rationale Maßstäbe wie die Funktionalität, technische Ausgereiftheit und die Vernetzung mit anderen Online-Diensten. Doch die Entscheidungsfindung für ein Social Network ist komplexer als z.B. für ein Anti-Viren-Programm, bei dem ich die Preise und Leistung vergleiche, Userbewertungen und Bewertungen in Fachzeitschriften durchlese und daraus eine Wahl treffen kann. Ein Social Network ist nicht nur ein Gefüge aus Codes, sondern gleichzeitig ein soziales Gefüge. Hier mischt sich Logik mit der Irrationalität der menschlichen Entscheidungsfindung und da kann es auch passieren, dass das besser ausgereifte Konzept den persönlichen und sozial begründeten Entscheidungen zum Opfer fällt. So widersprüchlich beispielsweise die Hassliebe ist, sie gehört zur Empfindung vieler Bewohner von Millionenmetropolen und gleichsam Facebook-Usern. Und auch wenn sie es manchmal selbst nicht verstehen, was sie dort hält – sie sind noch immer da.

Gerade deshalb würde es mich sehr intressieren, wie Psychologen und Soziologen die Entwicklung von Facebook und Google+ bewerten und ob sie sich ebenfalls trauen, Sieger-Prognosen zu machen wie so mancher Social-Media-Experte. Vielleicht kennt ihr ja schon passende Artikel dazu, dann freue ich mich auf eure Hinweise ;)

62 Millionen Nutzer: Bewohner oder Touristen?

Google+ hat laut einem kurz vor Jahresende veröffentlichten Bericht 62 Millionen Nutzer. Wie viele davon aktiv sind und somit zu den treuen Residents gehören und wie viele davon bloß als Touristen vorbeigeschaut haben, die sonst ihren Wohnsitz auf Facebook und/oder Twitter haben, verrät der Bericht nicht. Meine Besuche auf Google+ beschränken sich derzeit nur auf ein paar Wochenend-Trips und Event-Reisen, wenn mal wieder etwas Neues los ist. Ob das so bleibt oder ob ich es mir in meiner Google+Wohnung doch noch gemütlich machen werde, wird sich noch zeigen …

Written by ilosweb2null

1. Januar 2012 at 21:58

Veröffentlicht in Facebook, Google+

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